Gemischte Gefühle nach dem Prolog

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Der Prolog der FIA WEC ist vorbei und die Teams begeben sich wieder in die Sommerpause, bevor die neue Saison Ende August beginnt. Was bleibt sind gemischte Gefühle von einem eigenwilligen Prolog.

#98 ASTON MARTIN RACING / GBR / Aston Martin V8 Vantage - FIA WEC Season 8 Prologue - Circuit de Catalunya - Barcelona - Spain -

Selten hat ein Prolog der FIA WEC so polarisiert wie jener in den vergangenen Tagen. Schon oft experimentierten die Organisatoren mit dem Vorsaisontest, um ihm den Glanz eines Rennwochenendes zu verleihen. So wechselte man 2017 von Paul Ricard nach Monza, kehrte 2018 aber nach Frankreich zurück. 

Beim der letzten Ausgabe führte man einen Ausdauer-Test ohne Unterbrechung ein, der weit über die Distanz von 24 Stunden hinaus ging. Doch auch dieser Ausdauer-Test wurde für den Juli 2019 wieder verworfen. Im gleichen Atemzug wurde erneut der Ort für den Prolog getauscht. Diesmal wurde der offizielle Test ins spanische Barcelona verlegt. Man entschied sich für eine Strecke, die bisher noch nie mit dem Langstrecken-Sport in Verbindung stand.

Das Konzept des Prologs

Dem Ziel untergeordnet, die Weltmeisterschaft möglichst breit aufzustellen, nahmen FIA und ACO auch die Kritik in kauf. Sowohl der Zeitplan, als auch der Austragungsort und auch die allgemeine Planung des Prologs waren in diesem Jahr alles andere als ideal.

Es ist ohne Zweifel, dass ein Prolog selten so vom eigentlichen Gedanken abgewichen ist wie dieser im Juli 2019. Die Grundidee hinter dem Prolog war es, für die Teams einen realitätsnahen Rahmen zu schaffen, um die neuen Fahrzeuge im direkten Vergleich mit der Konkurrenz zu erproben.

Alle neuen Fahrertrios bekamen beim Prolog erstmals die Chance sich aufeinander abzustimmen und die Abläufe mit dem jeweiligen Team einzuspielen. Doch auch für die Teams war der Prolog bisher ein wichtiger Baustein vor Saisonbeginn, da zu diesem Zeitpunkt immer die neuen Regeln fest standen und die Wagen unter Realbedingungen auf diese abgestimmt werden konnten.

Für Fans war der Prolog zudem immer ein erster Kontakt mit der neuen Saison, ein Vorgeschmack auf die bevorstehenden Rennen. Kostenfreier Eintritt und eine Fanzone im Fahrerlager stehen hier seit langem auf der Tagesordnung.

Ein Zeitpunkt der viele Probleme mit sich bringt

Doch so schön und wichtig der Prolog auch ist, umso ermüdender war er dieses Jahr. Fans, Fahrer und Teams sind nach der überlangen Super Season erschöpft und brauchen eine Erholungsphase. Während diese Motorsport-Pause meist immer etwas zu lang andauerte, fehlt Sie 2019 hingegen komplett. Gut einen Monat nach dem Saisonfinale in Le Mans geht es direkt nahtlos weiter. Nach dem Prolog wartet nun das erste Saisonrennen in Silverstone (ebenfalls nur einen Monat entfernt) und es bleibt nur kurze Restsommerpause.

Das auch den Teams die Pause fehlt, wurde allein beim Starterfeld klar. Selten waren so wenig Fahrer vor Ort wie 2019. Viele Mannschaften hatten keine Zeit, um die Trios zu finalisieren und alle Verträge festzuzurren. Viele kehrten erst wenige Tage vorher aus dem Urlaub zurück. Einigen Fahrzeugen fehlte auch die finale Lackierung, da die Konzepte noch nicht fertig waren. Zudem blieb zu wenig Vorlaufzeit für das Setup der neuen Wagen, sodass viele nur halb vorbereitet zum Prolog antraten.

Nicht zuletzt darf auch die Wahl der Strecke infrage gestellt werden. Der Kurs in Barcelona hat anders als Paul Ricard oder Monza keine wirkliche Langstrecken-Historie und bietet auch keine realen Möglichkeiten, um das Potenzial der Fahrzeuge in allen Situationen zu testen. Einzig Trost: Das stabile Wetter in der Region war nahezu perfekt für einen mehrtägigen Aufenthalt.

#8 TOYOTA GAZOO RACING / JPN / Toyota TS050 - Hybrid - Hybrid - FIA WEC Season 8 Prologue - Circuit de Catalunya - Barcelona - Spain -

Ein Licht am Ende des Prolog

Kurz vor Beginn des Prolog gaben die WEC-Organisatoren die neue EoT-Einstufung für die Hybridfahrzeuge bekannt. Durch ein höheres Fahrzeuggewicht werden die Rundenzeiten der beiden Toyota-Werksfahrzeuge eingebremst. Zudem wird der Tankvorgang im Rennen etwas verlangsamt, während die Privatteams nun schneller Benzin nachfüllen können.

Diese Maßnahmen, kombiniert mit einer noch auszuformulierenden Regelung für Erfolgsgewichte soll die erhoffte Chancengleichheit in der geschrumpften LMP1-Klasse bringen. Geplant ist, im Zusammenhang mit dem Punktevorsprung in der Meisterschaft, vor jedem Rennen die Richtwerte bei Fahrzeuggewicht, Benzindurchflussmenge und der Energiezuteilung pro Runde anzupassen.

Ob sich diese Maßnahmen auf Dauer bewähren wird sich zeigen. Einen ersten Hoffnungsschimmer gab es jedoch in Barcelona bei den Rundenzeiten. Beide Toyota absolvierten 917 Runden beim Prolog, schafften es aber kaum sich von den Privatteams abzusetzen. So kam der beste Toyota in der dritten Testsession auf eine Zeit von 1:29.623, während Rebellion knapp dahinter eine 1:30.110 einfuhr.

Noch ausgewogener sind die Rundenzeiten in den Klassen LMP2, LMGTE-Pro und LMGTE-Am. Hier bewegen sich die Top-5 der jeweiligen Kategorie alle innerhalb der gleichen Minute und kämpfen nahezu auf Augenhöhe.

Die Rundenzeiten der vier Sessions haben wir hier für Euch verlinkt:

Bilder © FIA WEC (Pressematerial) – 2019 Joao Filipe / AdrenalMedia.com