Ist die Saison 2019/2020 schon zu Ende? [Update]

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Ist die WEC-Saison 2019/2020 schon zu Ende?

Eine Pandemie zwingt alle Sportevents zur Absage. Auch die Saison 2019/2020 der WEC bleibt nicht verschont. Doch wie geht es weiter?

Mit Beginn der ersten WEC-Wintersaison hatte sich keiner vorstellen können, dass so viele Veränderungen folgen würden. Wir fassen die bisherige Kalender-Entwicklung zusammen und versuchen einen möglichen Ausblick.

Den Anfang nahm die Gesichte im November 2019 als erstmals Gerüchte laut wurden, das der Lauf in Brasilien auf der Kippe steht. Ein politischer Wandel im Land und fehlende finanzielle Sicherheit machten das Comeback in Südamerika unmöglich.

Nach der Absage im Dezember suchten die Organisatoren lange nach einer Alternative. Am Ende entschied man sich für ein kurzfristiges Comeback der 6h COTA (auch bekannt als Lone Star Le Mans).

Ein Virus und seine Folgen

Die WEC wiegte sich in Sicherheit und alle hofften auf einen normalen Verlauf der weiteren Saison. Doch wieder kam es ganz anders. Das „Corona-Virus“ breitet sich von China weiter aus und erreichte im Februar Europa. Als die Zahl der Neuinfektionen anstieg, verhängte die US-Regierung eine Einreisesperre für Europäer, um die eigene Bevölkerung zu schützen.

Diese Anordnung folgte nur wenige Wochen vor den 1000 Meilen von Sebring – eine komplizierte Situation für die WEC. Den Teams wurde vor Saisonbeginn ein Kalender mit acht Rennen vertraglich zugesichert. Kommt es nicht zur Austragung müssen bereits gezahlte Gelder zurückgezahlt werden.

Im Hinblick auf die Folgesaison 2020/2021 und die Kürze der Zeit war eine Verschiebung des Highlight-Rennens nahezu unmöglich. Was folgte, war eine Absage der 1000 Meilen von Sebring. Damit wurde der WEC-Kalender offiziell von acht auf sieben Läufe reduziert.

Die Eau-Rouge in Spa

Ein Fragezeichen über den 6h Spa

Während die Fans alle Hoffnung auf die 6 Stunden von Spa setzen, folgte kurz darauf die nächste Meldung von der WEC. Durch ausgeweitete Quarantänen sind Sportveranstaltungen bis voraussichtlich Mai nicht durchführbar.

Als Konsequenz für die 6h Spa (welche ursprünglich eine Woche vorverlegt wurden, um nicht mit dem Rennen der Formel E zu kollidieren) gibt es nun eine erneute Verschiebung. Doch wie geht es konkret weiter? Derzeit warten die Organisatoren die Entwicklung in Europa ab.

Sollte die Krise schneller vorübergehen, wäre ein Nachholtermin Ende Mai / Anfang Juni vorstellbar. Realistischer ist jedoch die Absage des Ardennen-Klassikers. Eine Entscheidung hierzu werden wir in den nächsten Wochen bekommen.

Auch Le Mans ist nicht gesetzt

Für die WEC ist die Entwicklung in vielerlei Hinsicht problematisch. Denn anders als andere Rennserien, kann man aufgrund des Winterkalenders nicht beliebig lange warten und die restlichen Rennen aufschieben.

Da die neue Saison bereits im September 2020 beginnt, könnten die letzten beiden Läufe spätestes im August ausgetragen werden. Der enge Zeitplan und die aktuelle Entwicklung in Europa lassen nur ein denkbares Szenario zu.

Während Spa wohl auch gestrichen wird, könnte Le Mans auf Ende August verschoben werden und kurz vor der neuen Saison stattfinden. Da an der Sarthe jedoch mehrere hunderttausende Menschen erwartet werden, bleibt auch im August ein Restrisiko. Ebenso wäre ein „Geisterrennen“ ohne Zuschauer oder eine Absage möglich.

Endgültige Gewissheit werden wir Mitte April bekommen. Spätestens dann möchten sich FIA, ACO und WEC zur weiteren Entwicklung des Rennkalenders und den 24 Stunden von Le Mans äußern.

Die aktuellen WM-Führer vom Toyota #7

Der aktuelle Stand in der WM

Da die erforderliche Mindestanzahl an Saisonrennen stattgefunden hat, wäre mit der Absage von Spa und Le Mans auch die Saison 2019/2020 vorzeitig beendet. In diesem Falle würden die WM-Titel und Klassen-Trophäen anhand der aktuellen Ranglisten vergeben.

In der LMP-WM würde das Trio Conway, Kobayashi und López im Toyota #7 den Titel holen. Auch die Hersteller-WM führt aktuell Toyota an, was den Titel zur Folge hätte. In der LMGTE-WM befindet sich nach aktuellem Stand das Aston Martin-Duo Thiim/Sørensen an der Spitze und würde den Titel bekommen. Auch die Hersteller-WM ginge an Aston Martin.

Die beiden Fahrer Albuquerque und Hanson von United Autosport führen mit vier Punkten Vorsprung die LMP2-Fahrer und Teamwertung an. Mit dem frühen Saisonende gingen beide Titel an die Mannschaft. In der LMGTE-Am dürften sich die Ferrari-Piloten Perrodo, Collard und Nielsen über Fahrer- und Teamtrophäe freuen. Das AF Corse-Trio liegt mit zwei Punkten vor dem TF-Sport Aston Martin.

Nachtrag vom 18.03.2020

Die WEC hat in einem Schreiben an Medienvertreter bekanntgegeben, dass die Entscheidung über den weiteren Saisonverlauf noch etwas länger auf sich warten lässt. Sowohl die WEC, als auch die ELMS werden bis einschließlich Ende Mai keine Motorsport-Aktivitäten wiederaufnehmen. Es wird jedoch weiterhin an den 6h Spa und den 24h Le Mans festgehalten.

Nachtrag vom 19.03.2020

Der ACO gab in einer eigenen Pressemitteilung Einblick in den aktuellen Planungsstand. Demnach werden die 24 Stunden von Le Mans auf den 19. & 20. September 2020 verschoben. Eine Absage kam aufgrund der finanziellen Bedeutung des Rennens nicht infrage. Da mehrere hunderttausende Besucher direkt nach Ende der Corona-Pandemie jedoch ein erhebliches Risiko darstellen, ist eine Austragung im Juni nicht möglich.

Die dadurch entstehende Kollision mit der neuen Saison soll durch eine Anpassung der Rennkalender gelöst werden. Aktuell arbeiten FIA und ACO an einer Umstellung der Saison 2020/2021. Der geplante Saisonauftakt würde vermutlich in Monza stattfinden. Für das Silverstone-Rennen wäre eine Verschiebung auf die Lücke im Mai 2021 denkbar.

Positive Neuigkeiten gibt es zudem für die 6 Stunden von Spa. Nach aktuellem Planungsstand versucht man den Lauf in den Ardennen im Juni zu platzieren. Angepeilt wird wohl der 13. & 14. Juni, wo ursprünglich die 24 Stunden von Le Mans positioniert waren.

Einen Umbau wird es zudem bei der Schwester-Rennserie ELMS geben. Der Saisonauftakt in Barcelona wurde aufgrund der Pandemie abgesagt. Da die Saison nicht vor Juni gestartet werden kann, ist hier ein völlig neuer Rennkalender nötig. Es deutet vieles darauf hin, dass die ELMS ähnlich wie WEC und AsLMS kurzfristig einen Winterkalender einführt. So könnte die Serie wieder im Rahmenprogramm der WEC in Spa und Le Mans an den Start gehen, da der Rhythmus wieder identisch wäre.

Bilder © WEC-Magazin (Walter Schruff / Ton Kerdijk)