Spannender hätte das Debüt der WEC in Monza nicht verlaufen können. In allen vier Klassen gab es Zweikämpfe, Zwischenfälle und Ausfälle. Am Ende konnte Toyota seinen dritten Hypercar-Sieg in Folge verzeichnen.

Das Autodromo Nazionale di Monza präsentierte sich bei deiner Premiere als idealer Gastgeber für die Langstrecken-WM. Die Charakteristik mit den schmalen, aber schnellen Passagen und den Kiesbetten am Rand passte perfekt zur WEC. Das 6-Stunden-Rennen vermittelte einen Hauch von Le Mans – perfekt zur Vorbereitung auf das bevorstehende Jahreshighlight im August.

Licht und Schatten bei Toyota in Monza

Der Sieger des Rennens hatte zugleich auch mit einer Vielzahl an Problemen zu kämpfen. Während zunächst die Fahrzeuge #7 und #8 von den Positionen eins und zwei ins Rennen starteten, zeichnete sich im Verlauf des Rennens eine Zweiteilung ab. Die #7 konnte die Führung verteidigen und trotz einiger Überraschungsmanöver von Glickenhaus und Alpine die Spitze bis zum Schluss innehalten.

Ganz anders sah das Rennen beim Schwesterwagen aus. Gleich mehrfach musste der Toyota #8 in Monza zur Reparatur in die Box. War ein Fehler gefunden, wurde kurz darauf ein neues Problem sichtbar. Am Ende konnte das Trio sein Rennen beenden, jedoch außerhalb der direkten Konkurrenz.

Ähnlich sah es beim Neueinsteiger Glickenhaus Racing aus. Die #709, welche erstmals in Monza am Start war, hatte ein nahezu fehlerfreies Rennen und konnte sich lange Zeit mit dem Toyota #7 und Alpine #36 duellieren. Der zweite Wagen mit der #708 war ebenfalls gezeichnet von technischen Problemen und beendete die 6 Stunden von Monza vorzeitig in der Box.

Das Rennen gewann Toyota Gazoo Racing mit dem Fahrzeug Nummer sieben vor dem Alpine Elf Matmut #36 auf Rang zwei und dem Glickenhaus Racing Boliden #709 erstmals auf Podestplatz drei.

Porsche zerstört den Ferrari-Traum vom Heimsieg

Unter besonders großem Druck stand Lokalmatador AF Corse. Erstmals in der WEC-Geschichte wurde den Italienern ein Heimrennen ermöglicht und erstmals seit Pandemie-Beginn durften auch Fans zurück an die Strecke.

Umso bitterer war die Niederlage für die Italiener in Monza zu verkraften. Das Rennen begann mit dem Porsche #92 auf der eins, dem Ferrari #51 auf zwei, dem Porsche #91 auf drei und dem Ferrari #52 auf vier. Jeder, der das Rennen nicht gesehen hat, könnte denken, es habe sich nichts verändert den nach 6 Stunden sah das Ergebnis exakt gleich aus.

Doch im gesamten Rennverlauf gab es unzählige Attacken, Positionswechsel und strategische Manöver. Jedes der vier Fahrzeuge hatte zwischenzeitlich die Führung inne und bis zum Ende des zweiten Drittels war alles offen. Doch mit Blick auf das Ende bewies Porsche sein Können und holte den ersten LMGTE-Pro Sieg in Italien.

Sieg für United Autosports USA in der LMP2

Die US-Mannschaft mit britischen Wurzeln (United Autosports USA) konnte auf italienischem Boden einen Sieg einfahren. Bereits nach einer Stunde hatte das Team erstmals die Führung inne und konnte diese fast ununterbrochen bis zur Ziellinie verteidigen.

Anders war das Bild auf den Rängen zwei und drei. Die hohe Leistungsdichte der LMP2-Klasse, mehrere Zwischenfälle im Rennen und das extrem hohe Renntempo in Monza machten den Kampf um das Podium extrem spannend. Kaum eine Klasse hatte so viel Sendezeit in Monza wie die LMP2-Kategorie.

Am Ende schafften es die Neueinsteiger vom Team WRT auf Platz zwei vor dem Racing Team Nederland. Die Niederländer hatten besonders oft die Positionen im Rennen gewechselt und schafften es nur knapp auf den letzten Podestplatz.

Doppelten Grund zur Freude hat das Trio der #29, da es den schnellsten Wagen der neu eingeführten Pro/Am-Subwertung stellen konnte. Damit bekommen die Fahrer neben der Trophäe für Rang drei der Klasse noch eine Auszeichnung für Platz eins in der Pro/Am-Wertung. Die Positionen zwei und drei der Pro/Am-Wertung gingen an Dragonspeed USA (#21) und Realteam Racing (#70).

Heimsieg für AF Corse in der LMGTE-Am

Trotz der scherzhaften Ergebnisse in der LMGTE-Pro, gab es auch Grund zur Freude für die Lokalmatadoren. In der kleinsten WEC-Klasse, der LMGTE-Am, konnte die AF Corse-Crew mit der Startnummer #83 einen Sieg vor heimischer Kulisse einfahren.

Auch die AM-Kategorie war unvorhersehbar im Rennausgang. Zunächst war der TF Sport-Aston Martin (#33) von der Pole gestartet. Lange Zeit sah alles auch nach einem Podestplatz bzw. Dem Sieg für die Mannschaft aus, doch die Berührung mit einem GTE-Pro-Porsche und der resultierende Reifenplatzer sorgten für eine irreparable Beschädigung des Wagens.

Das entstandene Vakuum nutzte der AF Corse Ferrari #83 aus und übernahm im Wechsel mit dem D’Station Aston Martin #777 und dem Project 1-Porsche #56 die Spitze. Gekrönt wurde das AM-Rennen durch ein zwei Runden andauerndes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Aston Martin #98 und #777. Beide lagen gleich auf und kämpften auf jedem Zentimeter um den zweiten Podestplatz. 

Das Glück war jedoch auf der Seite der routinierteren #98, welche Rang zwei einfahren konnte. Der dritte Platz ging an die Debütanten von D’Station Racing im Fahrzeug mit der #777. Den chronologischen Rennverlauf mit allen Höhepunkten gibt es zum Nachlesen in unserem Live-Ticker zu den 6 Stunden von Monza. Die Ergebnisse aller Teilnehmer gibt es hier.

Bilder © Piero Lonardo


Tobias

Tobias ist Chefredakteur und einer der Gründer von WEC-Magazin.