Die TV-Übertragung eines Boxenstopps von Porsche

Es gibt Themen, die jedes Jahr aufkochen und scheinbar nie ein zufriedenstellendes Ende finden. Dazu gehört seit vielen Jahren die TV-Übertragung der FIA WEC. Warum es auch 2021 keine Besserung gibt, verraten wir in diesem Beitrag.

Vor langer Zeit, als Audi noch die LMP1-Klasse dominierte und die LMP2 noch offene Fahrzeuge erlaubte, war es auch einfach, die WEC-Rennen zu schauen. In den Anfangsjahren der Rennserie gab es nur einen einzigen Livestream auf Dailymotion. Dieser hatte zwar lediglich eine Auflösung von 480p, aber funktionierte ohne Probleme, ohne Werbung und war kostenfrei.

Der Wechsel ins Pay TV

Doch spätestens mit dem Einstieg von Porsche und der goldenen Ära der LMP1-Klasse wollte jeder ein Stück vom Kuchen haben. Was folgte, war eine Neuvergabe der WEC-Senderechte und eine Abschaffung des kostenfreien Livestream. Von nun an hatte man die Wahl zwischen der unterbrechungsfreien Übertragung auf Eurosport (im PayTV), auf dem damals neuen Eurosport Player (kostenpflichtig) oder alternativ über die ebenso neue FIA WEC-App (auch kostenpflichtig).

Auch wenn der Wechsel hin zum reinen Bezahlmodell nicht für jeden schön war, so konnte man es doch verstehen. Die Auswahl war gegeben und die Preise noch akzeptabel. Für die acht bzw. neun Rennen wurden z. B. in der offiziellen App 20€ pro Saison fällig. Zudem konnte man jeden Lauf einzeln für 2-3€ schauen.

Der Beginn des Sender-Chaos

Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Völlig überraschen erwarb nämlich auch Sport 1 in Deutschland einen Teil der Senderechte. Seitdem gab es noch einen zusätzlichen Pay TV-Sender, der die WEC ausstrahlte und zudem einen kostenfreien Livestream mit Werbung.

Mit dem neuen TV-Partner kam jedoch auch das Chaos in die TV-Übertragung. Nach nur kurzer Zeit fehlte dem durchschnittlichen Fan der Überblick, wo er die WEC live verfolgen konnte. Sowohl Eurosport als auch Sport 1 strahlten nicht mehr alle Rennen in voller Länge aus. Je nach Zeitzone der Veranstaltung und Länge des Events zeigte mal der eine, mal der andere die WEC in voller Länge. An einigen Tagen sah man nur den Anfang und mal nur das Ende vom Rennen. Was im Hinblick auf die geringere Zielgruppe noch verständlich sein kann, führte aber auch zu absurden Szenarien im Internet.

Während der Sport 1-Livestream nur noch einen einzelnen Kommentator hatte, der tapfer mit sich selbst sprach und das Bild auf 480p beschränkt blieb, verzichtete der Eurosport Player zeitweise auf Kommentatoren. Dort gab es bei sehr vielen Events zwar zwei Sprecher, die für Abwechslung sorgten, jedoch begrenzt auf Anfang und Ende vom Rennen. Dazwischen blieben nur die Fahrgeräusche der Autos.

Die Situation im Jahr 2021

Die neue Saison bringt nur minimale Verbesserungen. Die WEC hat die Senderechte mit Beginn der Hypercar-Ära neu vergeben und entsprechend auch andere Verträge mit den Sendern geschlossen. Künftig gibt es zwar eine aufgeräumte TV-Landschaft, aber auch einen Kahlschlag für alle deutschen Fans.

Der kostenfreie Livestream der WEC auf Sport 1 ist ebenso Geschichte wie die Pay TV Übertragung des Senders. Die Rechte liegen nun wieder bei Eurosport. Doch auch hier scheint es noch Ungereimtheiten zu geben, denn die 6 Stunden von Spa z. B. werden nur am Anfang und Ende mit Kommentar gezeigt. Für die mittleren zwei Stunden gibt es wie zuletzt nur Streckenton der Autos. Der offizielle Livestream ist durch die Preiserhöhung auch nur bedingt eine Option. So kosten sechs Rennen stattliche 37€ (und das nur mit Kommentar auf Englisch).

Einziger Hoffnungsschimmer ist hier der österreichische Sender ORF. Dieser sendet auf seinem Kanal „ORF Sport +“ das Rennen unterbrechungsfrei und in voller Länge mit Kommentar. Für den Empfang außerhalb des österreichischen Kabel-Fernsehens ist jedoch eine Satelliten-Schüssel (mit aktiver ORF DIGITAL-SAT-Karte) notwendig. Zudem gibt es einen Livestream des Senders, der aber nur mit österreichischer IP-Adresse aufrufbar ist. Eine Übersicht aller TV-Sender und Livestreams mit Sendezeiten gibt es wie immer auf unserer Übersicht.

Bilder © WEC-Magazin (Walter Schruff / Ton Kerdijk)


Tobias

Tobias ist Chefredakteur und einer der Gründer von WEC-Magazin.