Le Mans 2015: Die LMP1 Vorschau

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Die diesjährige Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans verspricht eines der besten Rennen aller Zeiten zu werden. Seit Beginn der neuen Prototypen-Ära treffen erstmals die Fahrzeuge von vier Werksteams aufeinander. Hinzu kommen noch die Fahrzeuge der beiden Privatteams ByKolles und Rebellion Racing. Die LMP1-Klasse hält in diesem Jahr so einiges an Überraschungen bereit, welche den Rennverlauf bestimmen könnten.

Toyota Hybrid Racing – Toyota TS 040 Hybrid

17833234043_f8a139930d_k#1 – Anthony Davidson (GBR), Sébastien Buemi (CHE), Kazuki Nakajima (JPN)
#2 – Alex Wurz (AUT), Stéphane Sarrazin (FRA), Mike Conway (GBR)

Die bisherige Saison war für den amtierenden Weltmeister alles andere als positiv verlaufen. Nach dem man in Silverstone mit Mühe und Not einen dritten Platz einfahren konnte, folgte in Spa die nächste Enttäuschung. Das neue Aero-Kit, welches man ursprünglich mit nach Le Mans bringen wollte, verschaffte dem Team nicht die gewünschte Verbesserung und die Konkurrenz konnten sich ein ganzes Stück absetzten. Für die Japaner steht nun ein entscheidendes Rennen vor der Tür, da man mit den doppelten Punkten wieder aufschließen könnte und weiterhin im Kampf um den WM-Titel bleiben würde. Doch bereits beim Le Mans Test zeigte Toyota als einziges LMP1-Team, dass man nicht in der Lage ist die eigenen Vorjahreszeiten zu unterbieten.

Die ersten Zeichen deuten auf einen weiteren Rückschlag für Toyota hin. Doch in der Vergangenheit hat Le Mans mehrfach gezeigt, dass Geschwindigkeit nicht alles ist und am Ende der Zuverlässigste Teilnehmer meist ganz oben steht. Mit einem fehlerfreien Rennen ohne längere Reparaturen könnten Sie trotz der schlechten Ausgangslage für eine Überraschung sorgen. Doch da die Japaner als einziger Autobauer mit nur zwei Wagen antritt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man die Ziellinie nicht erreicht.

ByKolles Racing – CLM P1/01 AER

18448652192_f72a2bf312_k#4 – Simon Trummer (CHE), Tiago Monteiro (PRT), Pierre Kaffer (DEU)

Nach dem langen hin und her mit Lotus in der WEC, wollte Colin Kolles in diesem Jahr einen Neuanfang wagen und brachte sein Team erstmals unter dem Namen ByKolles Racing an den Start. Da der Hauptgegner Rebellion Racing die ersten zwei Saisonläufe aussetzten musste, hätte die Mannschaft auf Österreich nun die Privatwertung anführen können. Doch der CLM P1/01 erwies sich als überraschend unzuverlässig und beide Rennen konnte man nicht beenden. Nun steht mit den 24 Stunden von Le Mans der härteste Lauf des Jahres auf dem Programm. Die ersten Ergebnisse haben gezeigt, dass das ByKolles Team derzeit noch nicht in der Lage ist, sechs Stunden am Stück durchzuhalten. Eine neue Sonderlackierung alleine genügt nicht, um die Zuverlässigere Konkurrenz um Rebellion zu bezwingen. Es müsste ein Wunder geschehen, damit ByKolles in Le Mans wirklich die Ziellinie erreicht.

Audi Sport Team Joest – Audi R18 e-tron quattro

17207321129_8e3847a19d_k#7 – Marcel Fässler (CHE), André Lotterer (DEU), Benoît Tréluyer (FRA)
#8 – Lucas di Grassi (BRA), Loic Duval (FRA), Oliver Jarvis (GBR)
#9 – Filipe Albuquerque (PRT), Marco Bonanomi (ITA), René Rast (DEU)

In den vergangenen 16 Jahren gewannen die Ingolstädter ganze 14 mal das Rennen in Le Mans. Nach dem Sieg im vergangenen Jahr geht man auch in der diesjährigen Ausgabe als Titelverteidiger an den Start. Verschiedene Probleme beim überarbeiteten R18 sorgten letztes Jahr dafür, dass man nicht die beste Geschwindigkeit liefern konnte. Doch Audi schaffte es bisher immer wieder durch die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge Probleme auszugleichen und das Rennen für sich zu entscheiden. In diesem Jahr geht man wieder mit drei Fahrzeugen in die 24 Stunden von Le Mans.

Der überarbeitete R18 zeigte in Silverstone, dass man wieder ganz vorne dabei ist. Ein großes Rätsel war vor dem Spa-Rennen das Le Mans Aero-Kit. Audi ging mit drei verschiedenen Konstruktionen an den Start und fand so frühzeitig eine gute Konstruktion. Die Ausgangslage ist in diesem Jahr wesentlich günstiger. Auch wenn Tom Kristensen nicht mehr im Fahrzeug sitzt, so verfügt Audi über das dreifache Le Mans Siegertrio Fässler, Lotterer und Tréluyer.

Rebellion Racing – Rebellon R-One AER

17828291433_3a1843f902_k#12 – Nicolas Prost (FRA), Nick Heidfeld (DEU), Mathias Beche (CHE)
#13 – Alexandre Imperatori (CHE), Dominik Kraihamer (AUT), Daniel Abt (DEU)

Am kommenden Wochenende steht für Rebellion Racing das erste Rennen in diesem Jahr an. Nach dem Wechsel vom Toyota auf den AER-Motor benötigte der R-One einige Anpassungen und verzögerten den Saisonstart für die Schweizer. Bereits im vergangenen Jahr zeigte die Privatmannschaft, dass man trotz Verzögerung schnell zur eigenen Stärke findet und mit einer soliden Leistung auch 24 Stunden problemlos durchhalten kann. Neben den neuen Lackierungen gibt es bei Rebellion ab diesem Rennen auch veränderte Trios. Während im weißen Fahrzeug mir der #12 nur Platin-Fahrer (Prost, Heidfeld, Beche) platz nehmen, so findet man im Schwesterwagen #13 nur Gold-Piloten (Abt, Imperatori, Kraihamer). Der Wagen lief bereits im vergangenen Jahr sehr gut und auch dieses mal besteht eine hohe Chance die Schweizer im Bereich um die Top Zehn Plätze in der Gesamtwertung wiederzufinden.

Porsche Team – Porsche 919 Hybrid

17833290713_61a8dbc9bc_k#17 – Timo Bernhard (DEU), Mark Webber (AUS), Brendon Hartley (NZL)
#18 – Romain Dumas (FRA), Neel Jani (CHE), Marc Lieb (DEU)
#19 – Nico Hülkenberg (DEU), Earl Bamber (NZL), Nick Tandy (GBR)

Für Porsche ist 2015 das zweite Jahr in der neuen Ära nach dem Comeback. Beim Le Mans Rennen vergangenes Jahr lieferten sich die Stuttgarter ein beeindruckendes Rennen mit Audi und schafften es fast aufs Podium. Doch kurz vor Schluss zwang die neue Technik das Team in die Knie und man musste sich geschlagen geben. Trotz dieses Rückschlages gab man nicht auf und konstruierte den 919 anhand der gewonnenen Daten von Grund auf neu. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn in den bisherigen Rennen war man stark und konnte sich mit den Audis Kopf-an-Kopf duellieren.

In diesem Jahr will man auf Nummer sicher gehen und setzte erstmals einen dritten Wagen ein. Mit dem Formel 1 Piloten Nico Hülkenberg sowie Earl Bamber und Nick Tandy hinter dem Steuer ist die zusätzliche Nummer #19 gut aufgestellt. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird Porsche in diesem Jahr die Pole-Position in Le Mans holen. Die große Frage wird jedoch bleiben, wie zuverlässig die Fahrzeuge auf eine Distanz von 24 Stunden sind. Die bisherigen Eindrücke aus den Rennen und vom Le Mans Test sind vielversprechend und dank der drei Fahrzeuge ist auch ein Sieg in greifbarer Nähe.

Nismo (Nissan Motorsports) – Nissan GT-R LM NISMO

17828270433_bbac038dc9_k#21 – Tsugio Matsuda (JPB), Mark Schulzhitskiy (RUS), Lucas Ordónez
#22 – Harry Tincknell (GBR), Michael Krumm (DEU), Alex Buncombe (GBR)
#23 – Olivier Pla (FRA), Jann Mardenborough (GBR), Max Chilton (GBR)

Kaum ein Comeback wurde so groß zelebriert wie das von Nissan. Über das letzte halbe Jahr verteilt, bereitete der japanische Wagenbauer die Fans und Medien auf den eigenen Wiedereinstieg vor. Nach einer verzögerten Fertigstellung ist nun der große Moment gekommen, auf den viele gewartete haben. Mit einem revolutionären Front-Motor-Konzept geht der GT-R LM Nismo in der LMP1 an den Start. Während man Porsche durch seine konventionelle Bauweise im Vorfeld besser einschätzen konnte, so bleibt Nissan ein großes Fragezeichen. In den bisherigen Testfahrten hielt man sich bedeckt und erweckte den Eindruck, dass man nicht mit der besten Leistung an den Start geht. Auf der anderen Seite hängen jedoch immer wieder die Worte der Nissan PR-Abteilung in der Luft, dass man in diesem Jahr nichts geringeres als den Le Mans Gesamtsieg anpeilt.

Für das kommende 24 Stunden Rennen gibt es zwei denkbare Szenarien. Die erste wäre, dass Nissan alle an der Nase herumgeführt hat und auf die großen Sprüche Taten folgen lässt. Es wäre die Sensation und würde für kräftigen Wirbel bei allen beteiligten sorgen. Die zweite, etwas realistischere Situation ist, dass man ähnlich wie mit dem ZEOD RC im vergangen Jahr nicht lange durchhält und nur mit großer Mühe die ersten sechs Stunden übersteht. Gewissheit über die Ausgangslage wird erst das Qualifying in dieser Woche bringen.

Images: WEC-Magazin (Walter Schruff)