ELMS: Hat die Juniorserie noch eine Zukunft?

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Am vergangenen Wochenende sicherte sich Greaves Motorsport den LMP2-Klassensieg und damit den Titel der ELMS. In einem spannenden Rennen lieferten sich die potentiellen Titelanwärter ein enges Kopf an Kopf Duell. Trotz einer sehr guten Saison wagt der ACO eine Neuausrichtung um mehr Nähe zur WEC zu schaffen. Unweigerlich stellt sich nun die Frage, ob die Serie nach solchen tiefgreifenden Veränderungen noch eine Zukunft hat?

Das Finale in Estoril sorgte für viele Spannende Momente innerhalb der vier Stunden. Die Titelanwärter kämpften ohne Pause und regelmäßig änderten sich die theoretischen Meisterschaftstabellen. Nach einem ununterbrochenen Dreikampf konnte schließlich das Greaves Motorsport Team als Sieger hervor gehen. Die vier Stunden von Estoril haben erneut gezeigt, welches Potential in der ELMS steckt und wie hoch die Leistungsdichte in den einzelnen Klassen ist.

Doch trotz guter Rennen und eines steigenden Zuschauerinteresses, möchte der ACO der ELMS einen neuen Anstrich verpassen, um in Zukunft noch mehr Fans, Teams und Sponsoren zu erreichen. Die wohl radikalste Änderung für die Saison 2016 ist der Wegfall der GTC-Klasse. Hier waren bisher Fahrzeuge nach GT3-Vorgaben am Start, doch diese passen nicht mehr ins Konzept des Veranstalters. Der ACO will seine Strecke in Le Mans zum Dreh-und-Angelpunkt der Langstreckenszene machen. Während sich die LMGTE (Le Mans Grand Touring Endurance) Fahrzeugte perfekt eingliederten, stellen die GT3-Wagen der GTC-Klasse einen Schönheitsfehler im Le-Mans-Bild dar.

Im kommenden Jahr will man dies ändern, indem man die GTC-Klasse ausgliedert und unter dem Namen „Michelin GT3 Le Mans Cup“ eine neue Rennserie formt, welche im Vorprogramm der ELMS antreten wird. Die neue European Le Mans Series wird mit der LMP2, der LMP3 und der LMGTE künftig nur noch drei Klassen besitzen. Die ELMS fokussiert sich in ihrer Ausrichtung damit weiter auf die WEC und gleicht auch ihre Struktur ein ganzes Stück weit an. So gut wie die Neuausrichtung der Juniorserie zunächst auch klingen mag, hinterlässt diese jedoch auch eine große Lücke.
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Aktuell sind in der GTC-Klasse vier Teams mit insgesamt sechs Fahrzeugen für die gesamte Saison eingeschrieben. Da bisher noch keine der betroffenen Mannschaften einen Verbleib in der ELMS bestätigt hat, darf man davon ausgehen, dass mit einem Schlag sechs Fahrzeuge wegfallen. Hinzu kommt noch, dass das MarcVDS-Team aus der LMGTE ebenfalls einen Rückzug angekündigt hat und die ELMS verlassen wird. Das AF Racing Team (ehemals SMP Racing) will mit dem BR01 im kommenden Jahr wieder zurück in die WEC. Das bisherige Engagement in der ELMS war nie für die Ewigkeit gedacht und sollte nur der Entwicklung des Prototypen dienen. Unsicher ist auch die Situation bei Jota Sport und Greaves. Zwar haben beide Teams angekündigt, zusätzlich zum neuen WEC-Engagement auch weiter in der Juniorserie anzutreten, doch ob das auch die gesamte Saison 2016 gewährleistet werden kann, ist noch ungewiss.

Im schlimmsten Fall würde das ELMS-Feld im kommenden Jahr von 30 auf 19 Wagen schrumpfen. Als wäre das nicht schon genug, steht 2017 die Neustrukturierung der LMP2 vor der Tür. Einige Teams setzten derzeit noch ältere Chassis ein, welche mit den neuen Einheitsvorgaben ab 2017 nicht mehr genutzt werden dürfen. Für diese Mannschaften ist ein neues Chassis und der Zugehörige Einheitsmotor aufgrund der finanziellen Mittel nicht erschwinglich und so verwundert es nicht, dass bis jetzt nur wenige Teilnehmer ihre Zukunftspläne bekanntgegeben haben.

Die ELMS befindet sich derzeit am Scheideweg. Die Trennung von den GT3-Fahrzeugen und die Neuausrichtung zu mehr Le Mans Prototypen könnte von der Theorie her klappen, da die WEC sich derzeit im Aufschwung befindet. Doch gleichzeitig ist es eine große Gefahr, so viele tiefgreifende Veränderungen in einer so kurzer Zeit realisieren zu wollen. Viele Team können sich nicht so schnell umstellen wie es die Rennserie vorgibt und suchen sich früher oder später etwas anderes. Wenn die Veranstalter nicht aufpassen, dann werden wir in den kommenden zwei Jahren ein immer kleiner werdendes Starterfeld vorfinden. Ein ähnliches Szenario hat der ACO schon mit der Asian Le Mans Serie hinter sich, wo man die Ausrichtung hin zur großen Hauptserie drehen wollte und auch nach dem dritten Versuch noch immer mit zu wenig Interessenten zu kämpfen hat.

Bilder: WEC-Magazin (Walter Schruff)