ELMS: Greaves Motorsport gewinnt Saisonauftakt

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Die ELMS bietet vielen Teams eine Möglichkeit um den ersten großen Schritt in der Langstrecken-Szene zu machen. Verlief die erste Saison nach Plan, so spielen die LMP2 und GTE Mannschaften oft mit dem Gedanken in die WEC zu wechseln. Diesen weg gingen bereits Signatech-Alpine, Morand (jetzt ein Teil von SARD-Morand) oder auch SMP Racing vergangenen Saison. Ab diesem Jahr werden wir unsere Berichterstattung um die Rennen der ELMS ergänzen und so regelmäßig einen Ausblick auf die WEC-Teams von morgen wagen.
Graves Motorsport LMP2
Im Rahmen des WEC-Wochenendes eröffnete die ELMS heute ihre Saison 2015 mit den 4 Stunden von Silverstone. Neu ist in diesem Jahr die LMP3-Klasse, welche mit fünf Einheitsfahrzeugen des Herstellers Ginetta, kombiniert mit Motoren von Nissan bestückt ist. Die neue Klasse soll vor allem jungen Nachwuchsfahrern eine Einstiegsplattform bieten.

Bereits zum Start ging es heiß her als der AF-Corse Ferrari #62 liegen blieb und die Fahrzeuge um ihn herum ausweichen mussten. Wenige Meter später blockierte in der ersten Kurve ein Hinterrad beim Oreca03 von SMP-Racing, welcher nicht mehr rechtzeitig einlenken konnte. Durch die blockierte Spur musste der Wagen von Pegasus Racing über den Rasen ausweichen, worauf hin der Pilot das Auto verlor und auf die Strecke zurück schoss. Wie durch ein Wunder erwischte das Pegasus-Fahrzeug nur den SMP mit dem blockierten Rad, welcher gerade weiterfahren wollte. Beide Wagen hinterließen ein Trümmerfeld und schleppten sich zur Box. Was folgte war eine 10 minütige Safety Car Phase.

Der Graves Motorsport-Pilot Garry Hirsch konnte seine erste Position nach dem Restart verteidigen, wurde jedoch dicht verfolgt vom Team Thiriet by TDS, welche das Jota Team mit Filipe Albuquerque am Steuer überholen konnte. Nachdem sich das Feld nach gut 30 Minuten stabilisiert hatte, blieb der Formula Racing Ferrari plötzlich liegen. Der Wagen mit der Nummer #60 rollte ohne Motorenkraft am Rand aus und blieb stehen. Zeitgleich schafft es der grüne Ligier von Krohn Racing am Oreca03R von Eurasia Motorsport vorbei zu ziehen und sichert sich die Position fünf. Überrascht vom Positionswechsel der LMP2-Fahrzeuge lenkt der AF-Corse Ferrari #81 in der folgenden Kurve zu früh ein, traf den Wagen von Krohn Racing und landet weit hinten im Kiesbett.
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Nach gut zehn Minuten konnte der Ferrari endlich aus dem Kiesbett befreit werden und nahm wieder am Rennen teil. Kurz vor Ende der ersten Stunde läutete Murphy Prototypes die erste große Boxenstopp-Phase ein. Nach dem das irische Team zum Nachtanken und Reifenwechseln rein kam, dauerte es nicht lange bis die anderen Top-Teams Jota, Greave und Thiriet by TDS nachzogen. Nach dieser Vielzahl an Boxenstopps beruhigte sich das Feld wieder ein wenig und im Feld kam es nur zu vereinzelten Zweikämpfen. Doch zur Hälfte der zweiten Stunde kam es zu einer erneuten Kollision des Ferrari #81. Diesmal erwischte der AF-Corse Wagen #81 das Schwesterfahrzeug mit der Nummer #51. Die #81 landete erneut im Kiesbett und es dauerte eine Weile bis die beiden Ferrari wieder am Rennen teilnehmen konnten.

In der LMP2-Klasse kämpften zur gleichen Zeit die Teams SMP und Murphy gegeneinander. Nach einigen Attacken durch den SMP kam es schließlich zum entscheidenden Moment als sich der Pilot des irischen Teams verbremst und die russische Mannschaft vorbeiziehen konnte. Als wäre der Positionsverlust nicht schon schlimm genug, so folgte kurz darauf ein Benzinmangel beim Fahrzeug und nur mit Mühe und Not schaffte er es an die Box. Nur wenige Meter entfernt kam der Jota gerade vom Fahrerwechsel aus der Box, als der MarcVDS-BMW zu knapp an der Boxenausfahrt vorbeifuhr und den Jota übersah. Das LMP2-Fahrzeug traf den GTE-Boliden am Heck, welcher sich daraufhin dreht. Gut zehn Minuten später kam es erneut zu einem Zwischenfall mit dem Fahrzeug vom Team Jota. Diesmal übersah das LMP2-Fahrzeug die Nummer #15 der Mannschaft SVK by Speedfactory und brachte den Wagen zum drehen.

Eine viertel Stunde vor Ende der zweiten Stunde rutscht in der GTC-Klasse der Aston Martin von Massive Motorsport auf einem Randstein aus und würgt daraufhin den Motor ab. Das Fahrzeug mit Kristian Poulsen am Steuer blieb mitten auf der Strecke stehen und die nachfolgenden Fahrzeuge von BMW und SMP konnten gerade noch rechtzeitig über die Auslaufzone ausweichen und eine Kollision vermeiden. In der dritten Stunde fuhr der führende der GTE-Wertung, der Proton-Porsche, in die Box zum Fahrerwechsel. Durch die freigewordene Spitzenposition entbrannte nun ein Kamf in der bisherigen Verfolgergruppe. Die zwei Ferrari von AF-Corse konnten aufschließen und kämpften nun mit nur wenigen zehntel Sekunden Abstand gegen den Aston Martin und den BMW. Fast zwei Runden gab keiner der Beteiligten nach und der Vierer-Kampf löste sich nur langsam auf. 90 Minuten vor Rennende kam es dann zur Kollision zwischen dem Massive Motorsport Aston Martin und dem Ferrari #63. Kurz vor der ehemaligen Start-Ziel Geraden erwischte der Ferrari durch ein zu spätes Bremsmanöver den Aston Martin mit voller Wucht und drückte diesen in die Boxenmauer. Was folgte war eine erneute Safety Car Phase.
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Nach der 30 minütigen Safety Car Phase konnte Greaves Motorsport die Führung verteidigen, gefolgt vom Jota auf 2 und dem Thiriet by TDS auf der 3. Nach dem der Wagen von Murphy Prototypes anfangs noch gut mithalten konnte, folgte nur eine Runde später der Totalausfall des Wagens. Mitten auf der Strecke fiel der Motor des LMP2-Fahrzeugs aus und der Murphy blieb auf dem Rasen stehen. Gut 30 Minuten später hatte die #44 von Ibanez Racing mit einer blockierenden Bremse zu kämpfen wodurch er sich um 180° drehte und mit dem Heck in die Streckenbegrenzung einschlug. Durch die starke Kollision musste auch dieser LMP2-Wagen das Rennen vorzeitig beenden.

In der Schlussphase des Rennens wurde es nochmal richtig eng. Zehn Minuten vor Ende der vier Stunden konnte der Greaves am Jota in den S-Kurven vorbei ziehen. Der Jota rutschte in die Wiese ab und verlor auf dem folgenden Randstein die Kontrolle. Der Gulf-Porsche, welcher nur wenige Zentimeter weiter vorne unterwegs war, konnte gerade noch rechtzeitig der Kollision entkommen. Auf Höhe der Start-Ziel-Geraden erwischte der Wagen von Greaves fünf Minuten vor Schluss den vor ihm liegenden Thiriet by TDS am Heck, welcher sich daraufhin am Kurvenausgang drehte.

Nach vier hart umkämpften Stunden konnte das Team von Greaves Motorsport schließlich das Rennen für sich entscheiden. Mit nur 0,370 Sekunden Abstand gewann das britische Team das Foto-Finish vor den Konkurrenten von Jota. Auf dem dritten Platz landete der Thiriet by TDS vor Krohn Racing auf der vier. In der neuen LMP3-Klasse konnte das von Nissan finanzierte Team LNT die ersten beiden Podestplätze vor der Mannschaft der Universität von Bolten erringen. Die LMGTE-Wertung gewann der Gulf Racing UK Porsche vor dem JMW- und dem AF Corse-Ferrari. Das Schlusslicht, die GTC-Klasse, konnte das Team TDS mit seinem BMW Z4 GT3 für sich entscheiden. Mit zwei Sekunden Abstand folgte der AF Corse Ferrari auf Position zwei und der Gulf Racing UK Lamborghini auf dem dritten Rang.

Bilder: WEC-Magazin (Walter Schruff)