Der letzte Auftritt der GTE-Pro-Kategorie bei den 24 Stunden von Le Mans enttäuschte nicht, denn Tempounterschiede, Unfälle und Fahrzeugprobleme sorgten für ein würdiges Finale.

Die beiden Corvette C8.R, die sich in der Hyperpole-Session am Donnerstagabend die erste Reihe gesichert hatten, gaben zu Beginn des Rennens das Tempo vor. Die beiden Werks-Porsche zeigten ebenfalls eine vielversprechende Leistung und blieben im Laufe des Rennens auf Tuchfühlung mit den Corvettes.

Das Rennen nahm dann aus Corvette-Sicht eine Wendung zum Schlechteren, als das Auto mit der Startnummer 64 kurz vor der siebten Stunde außerplanmäßig an die Box musste, um seine Bremsen zu wechseln. Kurz darauf erlitt die #63 einen schweren Defekt an der linken Hinterradaufhängung, was zu einem längeren Aufenthalt in der Garage führte.

Dadurch gewann Porsche die Oberhand im Kampf um den Klassensieg. Das änderte sich auch die meiste Zeit des Abends nicht. Eine Durchfahrtsstrafe für den Porsche mit der Startnummer 91 wegen Verstößen gegen die Track Limits hatte zur Folge, dass der Porsche mit der Startnummer 92 die Führung übernahm und in den frühen Morgenstunden einen Vorsprung herausfuhr. Die Corvette mit der Startnummer 64 blieb ebenfalls in Schlagdistanz zum führenden Auto und fuhr zeitweise schnellere Rundenzeiten.

Pech für den führenden Porsche und die Corvette

Für Michael Christensen, Kevin Estre und Laurens Vanthoor im #92 RSR-19 schien alles nach Plan zu laufen, doch ein kleiner Fehler Christensens machte die Chance des Trios zunichte. In der Einfahrt zur Mulsanne-Kurve am frühen Sonntagmorgen verbremste sich der Däne und zog sich einen Plattfuß zu. Kurz darauf löste sich die Reifendecke in ihre Einzelteile auf und Christensen musste sich langsam zurück an die Boxen schleppen.

Durch den Porsche-Zwischenfall war die Corvette mit der Startnummer 64 wieder in bester Position, um den Klassensieg zu holen. Doch ein schwerer Unfall machte alle Hoffnungen auf den Sieg zunichte. An einer engen Stelle der Strecke auf der Mulsanne-Geraden wurde Corvette-Pilot Alexander Sims von einem LMP2-Fahrzeug in die Leitplanken gedrückt und musste vorzeitig aufgeben.

Die Rennleitung verhängte gegen das betreffende Auto mit der Startnummer 83 (AF Corse) eine dreiminütige Stop-and-Go-Strafe. Der Fahrer Francois Perrodo machte sich sofort auf den Weg zur Corvette-Garage, um sich zu entschuldigen. Doch es half alles nichts, denn die Kampfansage von Corvette in Le Mans endete im Handumdrehen.

Ferrari und Porsche sind noch übrig

Der #91 Porsche von Gianmaria Bruni, Richard Lietz und Fred Makowiecki musste für den Rest des Rennens gegen den #51 Ferrari antreten. Porsche hatte einen klaren Geschwindigkeitsvorteil, musste aber ein paar Minuten aufholen. Zum Glück für Porsche brachte eine Safety-Car-Phase die Autos wieder zusammen. Bruni konnte den Ferrari einholen und vorbeiziehen – ein denkwürdiger Sieg für die deutsche Marke.

AF Corse Ferrari belegte die Plätze zwei und drei. Sie verließen den Circuit de la Sarthe jedoch mit dem Vorwurf, dass die Leistungsanpassungen ihren GTE Pro-Konkurrenten einen unfairen Vorteil verschafft hätten.

Keating beendet seine Durststrecke in der GTE-Am

Im siebten Anlauf stand Ben Keating endlich auf der obersten Stufe des Siegerpodests. Keating, der den Aston Martin mit der Startnummer 33 von TF Sport zusammen mit Marco Sorensen und Estaban Chaves pilotierte, zeigte zusammen mit seinem Team eine fehlerfreie Leistung und holte sich den längst überfälligen Klassensieg.

„Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagte Keating nach dem Rennen in Le Mans. „Für mich ist es vor allem deshalb etwas Außergewöhnliches, weil wir es nicht mit der Pace gewonnen haben. Die Porsches waren zwei Sekunden pro Runde schneller als wir. Aber jeder hat seinen Job perfekt gemacht. Wir haben keine Fehler begangen, keine Strafen, nichts. Wir hatten ein perfektes Rennen.“

Der Schlüssel zum Erfolg des Aston war die Fähigkeit, das Rennen ohne Bremsenwechsel zu beenden – etwas, das keinem anderen GTE-Am-Konkurrenten gelungen ist. Zweiter wurde der #79 WeatherTech Racing Porsche von Cooper MacNeil, Julien Andlauer und Tom Merrill, während die #98 Northwest AMR Crew die Podiumsplätze komplettierte.

Eine vollständige Ergebnisliste gibt es hier.

Bilder © WEC-Magazin (Walter Schruff / Ton Kerdijk)


Tobias

Tobias ist Chefredakteur und einer der Gründer von WEC-Magazin.