Die WEC für Einsteiger – Teil 1

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Mit jedem Jahr gewinnt die WEC an neuer Aufmerksamkeit und erreicht Motorsportfans auf der ganzen Welt. Wenn man als Neueinsteiger dann zum ersten mal einen Lauf der Weltmeisterschaft schaut, so tauchen doch einige Fragen auf. Mit unserer dreiteiligen Serie „Die WEC für Einsteiger“ wollen wir allen Neueinsteigern in diesem Jahr helfen, Fragen im Vorfeld zu beantworten um besser in die ersten Rennen starten zu können.

Das Konzept

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Viele von uns haben ihre ersten Kontakt mit dem Motorsport durch die Formel 1 gehabt. Wir wuchsen auf und schauten immer öfter die Rennen. Über die letzten 20 Jahre sorgten Senna, Schumacher und Vettel für tolle Momente und wir verbanden die Formel 1 mit dem Begriff Motorsport. Als Formel 1 Fan ist man nach den ganzen Jahren vertraut mit diesem Konzept und es ist etwas selbstverständliches. Die Fahrzeuge besitzen ein Monocoque mit freistehenden Rädern und ein Rennen ist nach nicht ganz zwei Stunden zu Ende.

Hört man dann zum ersten mal von der WEC ist es ganz normal, dass man im ersten Moment verwirrt ist. Außer vier Rädern und einem Lenkrad haben die beiden Weltmeisterschaften nicht viel gemeinsam. Während in der Formel 1 das Starterfeld mit seinen zehn Teams noch überschaubar ist, so muss man sich in der WEC auf etwas größere Dimensionen gefast machen. Neben den sechs Werksteam Aston Martin, Audi, Ferrari, Nissan, Porsche und Toyota treten noch zwölf Privatmannschaften gegeneinander an. Im Jahr 2015 besitzt die WEC ein Starterfeld bestehend aus 35 Fahrzeugen.

Das Herz der Lanstrecken-Weltmeisterschaft und deren Konzept ist wie der Name schon sagt die Zeit. Sieben der acht Saison-Rennen haben eine Dauer von sechs Stunden. Während das klassischen Format mit 1,5 – 2 Stunden nur einen geringen Spielraum für Überraschungen bietet und hier die Poleposition entscheiden ist, so spielt die erste Startposition in der WEC nur eine untergeordnete Rolle. Mensch und Computer wird hier alles abverlangt um sich auch die wechselnden Gegebenheiten anzupassen. Bei einer Zeitspanne von sechs Stunden verändern sich die Temperaturen und die Wetterbedingungen andauernd. Hinzu kommt die Tatsache, dass spätestens aller zwei Stunden die Fahrer eines Wagens wechseln müssen um die Belastung auf den Piloten zu reduzieren. Eine kontinuierliche Anpassung der Rennstrategie ist hier der Schlüssel zum Sieg. Die Poleposition bietet zwar eine bessere Ausgangslage beim Rennstart, hat jedoch in der Langstrecke alleine wenig Aussagekraft.

Neben dem Faktor Zeit ist auch das Regelwerk ein ganz entscheidender Punkt, welcher über Aufstieg oder Fall einer Rennserie entscheidet. In der Formel 1 herrscht schon seit vielen Jahren ein striktes Reglement. Für die technologische Entwicklung gibt es klare Richtlinien, Reifen müssen ab einem bestimmten Zeitpunkt schneller abbauen und auch für das Design der Fahrzeuge gibt es nur wenig Spielraum. Im vergleich dazu wirkt die WEC wie der „Wilde Westen des Motorsports“. Vom Benzin-betriebenen V8-Frontmotor, über V6-Heckmotoren mit Diesel bis hin zu V4-Motoren mit Turbolader ist nahezu alles möglich. Während die Werksteam ihre Aggregate mit einem Elektro-Hybridantrieb kombinieren, greifen die Privatmannschaften aus Kostengründen vorzugsweise auf Einzel-Motoren zurück.

Diese große Freiheit bei der Wahl des Antriebs ermöglicht eine große Leitungsspanne. Von kleineren Einzel-Motoren mit 460 PS bis zu experimentellen Hybridfahrzeugen mit 1200 PS ist in der WEC alles vertreten. Frei nach dem Motto: „Alles was geht wird auch gemacht“ experimentieren die Hersteller mit den wildesten Ideen. Im Fokus steht gerade in der LMP1 bei den Werksteams immer die Serienproduktion. Jedes neue System hat unterschiedliche Stärken und Schwächen die es zu erforschen gilt. Für immer mehr Autobauer ist der beste Weg um dies zu realisieren die Langstrecke. Über einen langen Zeitraum müssen die Wagen unter härtesten Bedingungen bestehen. Bewährt sich das Konzept hier findet es auch schnell seinen Weg in die Straßenfahrzeuge.

Die Klassen

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Jedes Wagenbauer geht bei der Entwicklung einen eigene Weg und hat entsprechende Bedürfnisse was die Erprobung betrifft. In der Langstrecken-Szene war dies schon immer der Fall. Um bei einem bunten Mix aus unterschiedlichen Fahrzeugen einen realistischen Wettbewerb zu schaffen wurde in der WEC das Vier-Klassen-Konzept eingeführt. In erster Linie unterscheidet sich die Rennserie in zwei Hauptgruppen, die Le Mans Prototypen (LMP)und die Le Mans Grand Touring Endurance (LMGTE). Die Prototypen Klasse richtet sich in erster Linie an Fahrzeug-, Motoren- und Chassisbauer, welche neue Wege beschreiten wollen und eigene Ideen für technologische Ansätze verfolgen. Charakteristisch ist hier, das es ähnlich wie bei Formel-Fahrzeugen eine Fahrer-Kapsel mit vier Rädern gibt. Dieses Gestell wird mit einem aerodynamisch optimierten Chassis mit Heckflosse und Heckflügel verkleidet.

Die LMP-Kategorie wird in der WEC in die zwei Klassen LMP1 (für Werksteams) und LMP2 (für Privatteams) unterteilt. Die LMP1-Klasse stellt die Spitze der WEC dar und hat neben den meisten Freiheiten auch die schnellsten Fahrzeuge. Autobauer wie Audi, Nissan, Porsche oder Toyota treten hier mit komplett eigenen Wagen gegeneinander an. In der LMP2-Klasse findet man hingegen nur Privatmannschaften, welche ebenfalls im Prototypen-Bereich mitkämpfen wollen. Diese Teams gehen in der Regel Partnerschaften mit Motoren- oder Chassis-Herstellern ein, welche ebenfalls ihre Technologien testen wollen, jedoch nicht die finanziellen Mittel für ein eigenes LMP1-Programm besitzen.

Die zweite große Fahrzeuggruppe in der WEC sind die LMGTEs (Le Mans Grand Touring Endurance). Hierbei handelt es sich um Serien-Nahe Sportwagen, welche in ihrer Grundform frei im Handel verfügbar sind, jedoch durch die Hersteller weiterentwickelt werden. Ähnlich wie bei den LMPs gibt es auch hier eine Unterscheidung, nämlich in die zwei Klassen LMGTE-Pro und LMGTE-Am. Die „GT-Pro“ Klasse zielt hauptsächlich auf die Sportwagen-Hersteller ab, welche die Fahrzeuge bauen und verkaufen. Professionelle und erfahrene Piloten treten mit ihren Werksteam gegeneinander an um die neuen Verbesserungen zu testen und sich im direkten Vergleich mit der Konkurrenz zu messen. Neben Aston Martin mit dem Vantage V8 treten in der Saison 2015 noch Ferrari mit den Italia 458 und Porsche mit dem 911 RSR gegeneinander an.

Zusätzlich zur Profi-Wertung gibt es noch die LMGTE-Am. Hierbei handelt es sich um eine GT-Kategorie mit dem Fokus auf Privatteam und (junge) Piloten welche weniger Erfahrung bei Langstreckenrennen besitzen. Diese vier Klassen bilden zusammen die WEC und sorgen aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen jedesmal für interessante Kämpfe. Die Prototypen (LMPs) sind im Schnitt immer 15-30 Sekunden schneller als die GT-Wagen, was öfters zu schwierigen Situationen im Rennen führen kann. Um hier eine Lösung zu finden, gibt es in der WEC allgemeine Vorschriften für solche Überholvorgänge. Die Regelung besagt, dass die langsameren Fahrzeuge unter Rücksicht auf die schnelleren Wagen ihre Spur halten während die Wagen aus den übergeordneten Kategorien vorbei ziehen. Ein Paradebeispiel für das Verhalten zwischen LMPs und LMGTEs im Rennen zeigt das folgende Video der 24 Stunden von Le Mans 2011.