Wie rosig ist die Zukunft der LMP1-Klasse?

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Die LMP1-Starterliste der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft sieht mit dem Beginn der neuen Saison doch sehr mager aus. Durch den Verlust von Audi, nach dem Diesel-Skandal, schrumpfte das Startfeld auf zwei Werksteams zusammen. Doch auch Toyota erwägt bei der Abkehr vom Hybrid-Konzept den Ausstieg aus der WEC. Die Zukunft der LMP1-Klasse sieht nicht rosig aus und es stellt sich die Frage, ob noch die Chance auf eine Verbesserung der Lage besteht.

Hersteller kommen und gehen, das ist der Lauf einer jeden Rennserie. Auch Porsche und Toyota werden nicht auf ewig in der FIA WEC teilnehmen. Der wahre Faktor, der eine Weltmeisterschaft am Leben erhält sind die Privatteams, die nicht an den Start gehen um Fahrzeuge zu verkaufen, sondern um Rennen zu gewinnen. In der Saison 2017 ist ByKolles das einzige Privatteam in der LMP1-Klasse und geht erstmals ohne direkte Konkurrenz, dafür mit einem Nissan Nismo V8-Motor an den Start.

Ein Grund für das nachlassende Interesse an der LMP1-Klasse ist die Neuordnung in der LMP2. Die kalkulierbaren Kosten durch die vorgegebenen vier Chassis machen einen Einsatz rentabler, ohne auf Spielraum bei der Weiterentwicklung des Wagens verzichten zu müssen. Jedoch ist die zweite Prototypen-Kategorie nicht das perfekte Umfeld für jedes Team. Mannschaften wie Manor und SMP Racing äußerten Kritik an der strengen Limitierung, da diese Teams gerne andere Bereiche weiterentwickeln möchten, als erlaubt.

Im kommenden Jahr möchte SMP-Racing wieder mit einem selbst entwickelten Prototypen in der WEC starten.

Das Jahr 2018 könnte endlich die Wende einleiten und die LMP1-Klasse wiederbeleben. Anfang des Jahres kündigte Ginetta den Bau eines brandneuen LMP1-Chassis an. Dieses wird pünktlich zur kommenden Saison erhältlich sein und könnte die Grundlage für die potentiellen LMP1-Interessenten bilden. Adrian Reynard wurde als Aerodynamikchef für das Projekt verpflichtet, während der ehemalige Peugeot-Designer Paolo Catone die Design-Abteilung leiten wird.

Insgesamt werden zehn Chassis für die Saison 2018 produziert. Mindestens eines ist schon für das Manor-Team reserviert. Dieses gab bereits bekannt, ab dem kommenden Jahr in der LMP1-Privatwertung an den Start gehen zu wollen. Ebenfalls interessiert sind die LMP3-Mannschaften ARC Bratislava und PRT Racing. SMP Racing will auch Teil der LMP1-Kategorie werden, hat sich jedoch mit Dallara zusammengetan, um ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln. In der Saison 2016 trat die russische Mannschaft noch in der LMP2-Klasse an. Aufgrund der Regeländerungen war der eigens entwickelte BR01 jedoch nicht mehr zugelassen.

Mit dem ByKolles-Team und einer realistischen Rückkehr des mehrfachen Champion Rebellion Racing wäre die LMP1-Klasse trotz fehlender Werksteam gut aufgestellt. Sollten die neuen Regeln auch ein kalkulierbareres Budget ermöglichen, so wäre auch der Wechsel weiterer LMP2-Mannschaften denkbar. Ein stärkerer Wettbewerb könnte nicht zuletzt auch interessierten Autobauern den nötigen Anreiz verleihen, um den Werkseinstieg in die LMP1 zu wagen.

Quellen:
https://www.dailysportscar.com/2017/01/11/manor-to-race-ginetta-lmp1-in-2018-wec.html
https://www.autosport.com/news/report.php/id/127148

Bilder © WEC-Magazin