Toyota in Spa

Der Toyota mit der Startnummer 7 von Kamui Kobayashi, Mike Conway und José María López gewann die 6 Stunden von Spa 2022. Doch wieder einmal wurde das Geschehen auf dem Circuit de Spa-Francorchamps auch vom Wetter dominiert.

Das Rennen begann bei strahlendem Frühsommerwetter mit Glickenhaus auf der Pole, Alpine auf Platz zwei und den Werks-Toyotas in der zweiten Reihe. Glickenhaus führte den ersten Stint an, aber es dauerte nicht lange, bis die beiden Toyotas das Auto der US-Amerikaner jagten.

Es dauerte auch nicht lang, bis das schöne Wetter durch einen bleiernen Himmel ersetzt wurde. Nach zwei Stunden Renndauer und einem engen Kampf zwischen Toyota auf der einen und Glickenhaus auf der anderen Seite, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Kurz vor der Sintflut hatte ein Zwischenfall am LMP2-Fahrzeug mit der Startnummer 34 (Inter-Europol) dazu geführt, dass ein Safety Car auf die Strecke gerufen wurde. Da das beschädigte Auto nicht geborgen werden konnte, während die anderen noch im Rennen waren, entschied die Rennleitung, die rote Flagge zu schwenken. In diesem Augenblick wurde die Strecke fast unfahrbar.

Technische Probleme beim Toyota #8

Der Neustart rund 40 Minuten später brachte die Autos hinter dem Safety Car wieder auf die Strecke. Doch schon bald wurde der Toyota mit der Startnummer 8 erneut zum Stillstand gebracht. Ein Problem, das offensichtlich mit dem Hybrid zusammenhing, veranlasste Sébastien Buemi, seinen GR010 Hybrid am Streckenrand abzustellen – sehr zum Frust des Schweizer Fahrers.

Durch den Ausfall blieb die #7 als einziger Verfolger für den japanischen Hersteller übrig. Dieser musste sich gegen den hart kämpfenden Alpine und Glickenhaus durchsetzen, die sich bei den tückischen Bedingungen sichtlich wohl fühlten.

Zur Halbzeit des Rennens hatte sich das Wetter kaum gebessert. Zahlreiche Zwischenfälle abseits der Strecke führten zu Gelbphasen, Safety-Car-Phasen und rund zwei Stunden vor Schluss zu einer weiteren roten Flagge. Verschärft wurde die Situation durch die zusätzlichen Kiesbetten auf dem Circuit de Spa-Francorchamps, die dazu führten, dass die Autos häufig stecken blieben und geborgen werden mussten.

Die komplett nassen Bedingungen waren sicherlich von Vorteil für Alpine und auch für die LMP2-Fahrer. Sie hatten einen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber den Toyotas, solange die Strecke feucht war. Für Toyota-Pilot José María López war es „hart mit anzusehen“ und „wie in einem Horrorfilm“, aus der Box zusehen zu müssen, wie die Teamkollegen Kobayashi und Conway mit den Bedingungen kämpften.

López bekam bald seine Chance hinter dem Lenkrad – zum Glück bei besserem Wetter. Die abtrocknende Strecke erlaubte es dem Auto mit der Startnummer 7, seine Dominanz wieder zu behaupten. So konnte der Argentinier im letzten Stint einen relativ komfortablen 30-Sekunden-Vorsprung vor der Alpine herausfahren. Am Ende war es ein solider Sieg für die Crew der Nummer 7, der die Enttäuschung von Sebring wieder wettmachte.

Es war der 10. Sieg für Kobayashi, Conway und López als Dreiergespann und der erste für Toyota in dieser Saison.

Ferrari in Spa

Ferrari und Porsche in einem weiteren Kampf für die Ewigkeit

In der LMGTE-Pro ging es wieder einmal bis in die letzte Runde, als sich Ferrari und Porsche bei den 6 Stunden von Spa 2022 einen rundenlangen Kampf lieferten. Der Sieg ging schließlich an den Ferrari #51 von James Calado und Alessandro Pier Guidi mit nur einer halben Sekunde Vorsprung vor dem Porsche #92. Der Ferrari mit der Startnummer 52 kam als Dritter ins Ziel, nur ein paar Zehntel dahinter.

„Der erste Teil des Rennens war ziemlich knifflig“, sagte Pier Guidi nach dem Rennen. „Schließlich sind wir in Spa und erwarten ein solches Wetter. Wir wissen, dass uns im Trockenen die Leistung fehlt, aber im Nassen kann alles passieren.“

Pier Guidi verbrachte fast vier Stunden im Auto, bevor er das Kommando an Calado übergab. Der Brite war nach einer roten Flagge gezwungen, seinen Stint mit kalten Slicks und kalten Bremsen zu beginnen, was keineswegs eine leichte Aufgabe war.

Calado verbrachte einen Großteil der letzten Stunde damit, den Dänen Michael Christensen in Schach zu halten, der in seinem Porsche 911 RSR-19 mächtig Druck machte. „Ich habe am Ende alles gegeben und bin manchmal über das Limit gegangen“, sagte Calado. „In den letzten beiden Runden hätte ich das Auto dreimal fast zu Schrott gefahren.

Trotz der geringen Distanz zwischen den beiden Teams und der Tatsache, dass sie sich in der Vergangenheit schon oft bis in die letzten Runde bekämpft haben, war das Ergebnis eindeutig und wieder einmal hatte Ferrari die Nase vorn.

WRT in Spa

Siege für WRT und Dempsey-Proton Racing in LMP2 und LMGTE-Am

WRT hat einen überzeugenden Sieg in der LMP2-Kategorie errungen und ist durch die Hypercar-Pannen sogar auf das Gesamtpodium gefahren. Die Piloten Robin Frijns, René Rast und Sean Galeal behielten einen kühlen Kopf, während andere um sie herum diesen verloren. Am Ende gewannen sie mit über 30 Sekunden Vorsprung.

Der zweite Platz ging an die Mannschaft von Realteam by WRT. Damit holte die belgische Mannschaft von Vincent Vosse einen Doppelsieg bei ihrem Heimrennen. Das Podium wurde durch das JOTA-Auto mit der Startnummer 38 komplettiert.

Die LMGTE-Am war eine weitere Kategorie, die bis zur Schlussphase hart umkämpft war. Der Porsche mit der Startnummer 77 von Dempsey-Proton Racing ging als Sieger hervor, obwohl das befreundete Porsche-Team Project 1 über weite Strecken der sechs Stunden in Führung lag. Dicht dahinter folgten die beiden Aston Martins, wobei der Wagen mit der Startnummer 33 von TF Sport den zweiten Platz belegte und der Northwest AMR mit der Nummer 98 Dritter wurde.

Eine vollständige Liste aller Ergebnisse der 6 Stunden von Spa 2022 gibt es auf der Seite des Zeitnehmers Alkamel Systems.

Bilder © WEC-Magazin (Walter Schruff / Ton Kerdijk)


Tobias

Tobias ist Chefredakteur und einer der Gründer von WEC-Magazin.