Kommentar: Liegt es wirklich am Starterfeld?

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Oft schreiben wir über das schwindende Starterfeld der LMP1-Klasse, den fehlenden Wettkampf und die zu strengen Regularien. Doch so gern man auch über vergangene und künftige Entwicklungen schimpft, so müssen wir uns alle die Frage stellen: Liegt es wirklich am Starterfeld oder eher an uns?

Ich erinnere mich an meine frühe Kindheit, als ich Sonntags um sechs Uhr aufstand, um die Rennen der Formel 1 im Fernsehen zu verfolgen. In den späten 90er Jahren und den frühen 2000ern stellte ich die Motorsportwelt nicht in Frage. Man wuchs mit einer Rennserie auf und verfolgte diese ohne Wenn und Aber. Schaut man sich unseren gegenwärtigen Motorsport an, findet man an jeder Neuerung einen Kritikpunkt oder nimmt jede geplante Veränderung als Grund zur Provokation

Doch ist alles wirklich so schlimm wie wir es uns immer ausmalen? Nein ist es nicht! Der Kern des eigentlichen Problems ist für viele eher die Entwicklung unserer Medienlandschaft. Auch früher war nicht alles Gold was glänzt und manche Regeländerungen sorgten für Aufregung. Doch gab es damals nur begrenzte Möglichkeiten um alle Rennen einer Serie zu verfolgen. Auch wenn man mit mancher Änderung nicht ganz zufrieden war, fand man sich schneller damit ab. Im Kern sind wir alle Motorsportfans und wollen Menschen am Limit sehen, die sich im Fahrzeug duellieren, in der Hoffnung den eigenen Favoriten als Sieger zu sehen. Dessen war man sich in den vergangenen Jahren noch bewusst und konnte einfacher darüber hinwegsehen.

Durch die sozialen Medien bekommen wir schneller, einfacher und regelmäßiger von geplanten Änderungen mit und stempeln diese oft als Unfug ab, ohne uns tiefer damit auseinanderzusetzen. Die Veränderung einer Motorenvorgabe, des Hybridanteils oder der BoP hat auf den ersten Blick radikale Auswirkungen auf die aktuelle Situation, doch bringt jede Veränderung gleichzeitig eine neue Chance mit sich. Schauen wir uns die „automatische BoP“ in der GTE-Pro an. Für viele wirkt es im ersten Moment befremdlich, die Vorgaben für den Performanceausgleich durch ein Computersystem steuern zu lassen. Doch genau diese Veränderung bringt ein neues Element in die Klasse und stellt die Teams vor eine neue Herausforderung.

Unterm Strich ändert sich zwar für die Teams etwas, doch für uns bleibt alles beim Alten. Wir werden weiterhin unsere Favoriten anfeuern und unterstützen. Egal wie sehr sich der Motorsport in den nächsten Jahren auch verändern wird, der Wettkampf, die Spannung und die Faszination für Mensch und Maschine bleibt unverändert. Wir leben in einer Zeit in der wir Motorsport so einfach wie noch nie verfolgen können. Auf den Rennstrecken der Welt sind so viele Rennserien am Start wie noch nie zuvor und diese Tatsachen sollten wir uns vor Augen halten.

Nur weil eine Information oder ein kleiner Teil der geplanten Änderung in den sozialen Medien die Runde macht, sollten wir uns nicht blenden lassen. Auch wenn sich das Starterfeld der LMP1 von drei auf zwei Hersteller verkleinert hat, heißt es nicht, dass die Rennen deswegen weniger spannend werden. Die Testtage in Monza haben gezeigt das uns auch mit nur zwei Werksteams eine spannende Saison bevorsteht. Je schneller wir lernen die neuen Umstände zu akzeptieren, umso eher können wir zu dem zurückkehren, was uns in Kindertagen früh am Morgen vor den Fernseher getrieben haben: der Motorsport an sich.

Bild: WEC-Magazin