Kommentar: Ein Rennen für die Ewigkeit

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Jedes Jahr Mitte Juni gibt es einen Sonntag-Nachmittag, wo ich völlige Leere in mir fühle. Zu diesem Zeitpunkt bin ich 36 Stunden wach und mental sowie körperlich völlig am Ende. Der Nachmittag nach diesem besonderen Rennen hinterlässt ein Loch, welches ich ein ganzes Jahr ertragen muss, bis es sich wieder füllt. Über die Jahre gewöhnt man sich langsam daran, doch nach dem jüngsten Rennen war es besonders schlimm.

Es gibt Jahre, wo sich diese Leere mit tieferen Gefühlen verbindet und mich nicht mehr loszulassen schein. Solch eine Zeit war 2013, als Allan Simonsen im Rennen sein Leben verlor oder auch 2007, als McNish, Capello und Kristensen mit unzähligen Kilometern Vorsprung kurz vor Ende kollidierten und das Rennen nicht beenden konnten. Es sind diese besonderen Emotionen die dich als Fan auf ewig zeichnen und das Rennen so einzigartig machen.

Das 84. Rennen in Le Mans war für mich eines dieser ganz besonderen, dass auf ewig bleiben wird. Über die gesamte Distanz kämpften Porsche und Toyota gegeneinander und schenkten sich nichts. In der letzten Stunde behielt Toyota die Oberhand und führte das Rennen auch nach Fahrertausch und Full-Service weiter an. Nach 31 Jahren und 18 Versuchen war der Le Mans Sieg für die Japaner zum Greifen nahe. Die Langstrecken-Welt rückte zusammen, um Toyota auf seinen letzten Metern zu unterstützen.

Doch eine Runde vor Schluss ging ein Schock durch meinen Körper, als der Prototyp der Japaner liegenblieb. Kurz darauf holte der Porsche auf und gewann die 24 Stunden. In mir sprudelten die unterschiedlichsten Gefühle und in jeder Sekunde übernahm eine andere Emotion die Führung. Mit diesem Ausgang hätte niemand rechnen können und ich konnte meine Gedanken eine ganze Weile nicht in Worte fassen.

13493535_1616763961967336_1240892378_oDie Emotionen, welche wir an diesem Sonntag-Nachmittag erlebten, zeigt in nur wenigen Sekunden, was diesen Sport ausmacht. Langstreckenrennen sind nicht nur irgendeine Art von Motorsport, es ist ein ganz besonderes Erlebnis, welches für zukünftige Generationen erhalten werden muss.

Für Toyota wird der Schmerz schneller vorübergehen und man wird zuversichtlich in die nächsten Rennen starten, ohne einen Gedanken an die Niederlage zu verschwenden. Den größten Sieg der eigenen Fahrerkarriere jedoch kurz vor dem Ende zu verlieren, ist sehr schmerzhaft und die Piloten werden vermutlich etwas länger brauchen, um drüber hinweg zu kommen.

Doch am Ende kann es nur einen Sieger geben und das 84. Rennen in Le Mans konnte Porsche für sich entscheiden. Wir gratulieren dem Team zu seinem 18. Le Mans-Sieg und bedanken uns bei allen Teilnehmern für diese Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich werde mich noch lange an dieses Rennen zurückerinnern und freu mich schon auf nächstes Jahr, wenn Toyota gestärkt zurückkommen wird, um zu zeigen das sie gewinnen können.

Bild 1: Toyota Motor Corp. – Pressematerial
Bild 2: WEC-Magazin (Ton Kerdijk)