Kommentar: Die LMP2-Klasse lebt wieder

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In der letzten Saison gehörte die LMP2-Klasse zu einem Garanten für spannende und packende Zweikämpfe. In jedem Rennen blieb mir mindestens ein Moment im Kopf wo LMP2-Fahrzeuge in irgend einen Zwischenfall verwickelt waren. Zum Jahreswechsel kam dann die große Überraschung: OAK Racing wollte für ein Jahr pausieren.
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Der Rückzug des Meisters von 2013 sorgte für den Verlust von drei Fahrzeugen. Neue Teams meldeten sich nicht an und gleichzeitig planten einige Mannschaften einen Wechsel auf die neuen geschlossenen Coupés. Aufgrund finanzieller Engpässe mussten diese jedoch ihren Start immer wieder verschieben. Das aufeinandertreffen vieler unglücklicher Umstände sorgte dafür, dass die Privatklasse in diesem Jahr nicht mehr die selbe war. Aus der hart umkämpften LMP2 ist 2014 ein Trauerspiel geworden.

Lediglich vier Fahrzeuge gehören noch zum Rest der LMP2-Klasse. Weder in Silverstone, noch in Spa-Francorchamps blieben in mir diese typischen Momente hängen die sonst die Privatwertung bei mir hinterlassen hat. Bis zum gestrigen Tag war ich fest der Meinung, dass sich leider nicht mehr viel ändern wird. Doch das heutige Rennen am COTA hatte wieder etwas magisches.

Neben den bekannten Teams bestehend aus G-Drive, SMP Racing und KCMG beschloss die TUSCC-Mannschaft Extreme Speed Motorsport (kurz: ESM) einen Gaststart in der WEC zu wagen. Ehrlich gesagt hatte ich vorher noch nicht viel von dem Team gehört und meine Erwartungen waren nicht sonderlich groß. Vermutlich lag es an meiner geringen Grunderwartung, dass dieses Rennen in Austin in meiner Erinnerung bleiben wird.
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G-Drive ging von der Poleposition an den Start. Das Team um Roman Rusinov hatte es geschafft mit dem neuen Ligier JS P2 gleich im ersten Qualifying eine spitzen Arbeit abzuliefern. Doch möglicherweise war man bei der Mannschaft aus Russland mit zu viel Euphorie am Werk und verlor den ersten Startplatz gleich wenige Sekunden nach dem Start an ESM. Wenig später konnte auch der KCMG einiges an Boden gut machen und kassierte den G-Drive Ligier ebenfalls nach wenigen Runden.

In der ersten hälfte des Rennens kämpften die Lokalmatadoren gegen die Mannschaft aus China. Es war ein Duell ohne Rücksicht auf den Konkurrenten. Nach dem die ersten Boxenstopps absolviert waren, ließen beide ebenfalls nicht locker und wechselten sich regelmäßig an der Spitze ab. Zeitglich holte das SMP Racing Team auf und machte Jagt auf die G-Drive Mannschaft. Bei dem Orange-Schwarzen benötigte man einige Zeit um den neuen Ligier im Renneinsatz zu verstehen. Doch als es ernst wurde und SMP-Racing ebenfalls mit aggressiven Überholmanövern drohte, schien der Groschen gefallen zu sein und G-Drive konnte sich absetzten.

Der Regen machte jedoch einen großen Strich durch sämtliche Hoffnungen die bis dahin entstanden waren. Olivier Pla konnte sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr gegen die Wassermassen durchsetzen. Am Ende der langen Gerade griffen die Bremsen nicht mehr ganz und der G-Drive schlitterte in eine Wand in der Auslaufzone. Nach viel zu vielen Minuten des Zwangsaufenthalts fiel man weit an das Ende des Feldes zurück. In der Zwischenzeit hatte man bei SMP Racing den Jagt Instinkt geweckt und mischte sich in das Duell zwischen KCMG und ESM ein.
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Am Ende des Rennens ging der Wagen von KCMG als Sieger hervor. Für die Chinesen war es der erste WEC-Sieg in der Teamgeschichte. Auf der zweiten Position landete die anfangs abgeschlagen Mannschaft von SMP Racing, welche sich damit ihren Vorsprung in der Meisterschaft weiter ausbauten konnten. Am meisten haben aber wohl die Gaststarter von Extreme Speed Motorsport überrascht. Sie konnten gleich am Anfang in einer für sie neuen Umgebung mitfahren ohne die Konkurrenten wirklich abschätzen zu können.

Das Rennen hat gezeigt, dass ein wenig frischer Wind unheimlich viel bewirken kann. ESM war ebenfalls begeistert von der eigenen Leistung möchte in Shanghai nochmals an den Start gehen. Es gibt sogar Überlegungen ein zweites Fahrzeug mit nach China zu bringen. Sollte der Lauf dort ebenfalls positiv verlaufen steht einer Teilnahme an der WEC-Saison 2015 nichts mehr im Wege. Ebenfalls 2015 neu hinzustoßen will der Geschäftsmann Tracy Krohn, welcher vielen noch durch seinen grünen Ferrari bekannt ist. Auch der Meister des letzten Jahres OAK Racing wird wieder zurückkommen und will mit zwei Wagen an den Start gegen.

Es scheint als wäre die LMP2-Klasse doch noch am Leben. Derzeit entsteht durch die vielen positiven Nachrichten wieder Hoffnung bei mir, dass die Privatklasse im nächsten Jahr wieder zu einem Garant für Spannung und Überraschung werden könnte. Lässt sich nur hoffen das es nicht zu neuen noch größeren Problemen kommt welche die LMP2 noch weiter schrumpfen lassen.