Fernando Rees im Interview

Eingetragen bei: Fahrer, Interview | 0


In gut einem Monat ist es so weit, die WEC startet in ihre dritte Saison. Die Teams sind in den letzten Vorbereitungen für das erste Rennen in Silverstone. Die neuen Wagen treten in den nächsten Wochen zu den offiziellen FIA Testtagen am Circuit Paul Ricard an und die letzten offenen Plätze in den Cockpits füllen sich zügig. Eines der größten Rennprogramme stellt 2014 Aston Martin Racing auf die Beine. Mit 4 Autos und 10 Fahrern will man dieses Jahr die Titel der GT-Pro und GT-Am gewinnen. Einer der Neuzugänge bei dem britischen Team ist der Brasilianer Fernando Rees. Wir haben ihn zu seiner vergangene Saison bei Larbre Compétiton und die neuen Herausforderungen bei Aston Martin befragt.

Das vergangene Jahr war ein Auf und Ab

Das Jahr 2013 war voller Emotionen und besonderer Ereignisse. Beschreibe dein 2013 mit 5 Worten.
Schock, Überwindung, Unsicherheit, Glauben, Erfolg.

Im Motorsport weiß man nie ob man die Ziellinie jemals unversehrt überqueren wird. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Wie gehst du da mit um? Denkst du im Rennen daran oder blendest du die Gefahr aus?
Ich habe großen Respekt vor der Gefahr des Motorsports. Dieser Respekt gibt mir ein positives Gefühl der Angst und steigert so meine Wahrnehmung. Es ist gefährlich und unklug, fruchtlos in ein Rennen zu gehen. Die Bewusste Angst, die Achtung und das Verständnis der Gefahr sind der Schlüssel um sein bestes zu erreichen.

In Le Mans haben wir Allan Simonsen verloren. Es war ein Schock für die Motorsportwelt. Wie hast du dich gefühlt als du die Nachricht von seinen Tod gehört hast? Kanntest du ihn persönlich?
Ich kannte ihn von den zwei Podien in Silverstone und Spa-Francorchamps, die wir uns 2013 geteilt haben. Wir hatten nicht viel gerdet, nur diese typischen Backstage-Gespräche zwischen Fahrern. Er schien ein sehr netter Kerl zu sein, und sicher auch ein talentierter Fahrer. Als ich von seinem Tod hörte war ich schockiert. Besonders schlimm war die entstandene Unsicherheit über seinen Zustand. Die offiziellen Informationen der Verantwortlichen an der Strecke passten nicht mit zu den Insider-Informationen welche ich von meinem Team bekam. Diese entstandene Verwirrung machte es für mich nicht wirklich leichter.

Die letzten Jahre bist du für Larbre Compétition gefahren. Wie würdest du rückblickend deine Zeit dort beschreiben? Wie war die Atmosphäre, die Leute und die Corvette?
Larbre Compétiton war ein idealer Arbeitsplatz. Sie haben mich weit nach vorne gebracht und mir den Weg frei gemacht in meiner Karriere größere Ziele zu erreichen. Im Hinblick auf die Teamarbeit, die Teammitglieder und Teambesitzer gab es nie große Probleme. Manchmal gab es Unstimmigkeiten, aber wir haben eigentlich immer gut zusammengearbeitet. Die Corvette war ein wirklich tolles Auto. Besonders vor der Einführung des zusätzlichen Strafgewichtes und der Veränderung der Regel für die Höchstleistung des Fahrzeugs in der Saison 2013. Das Auto hat sich seit dem ganz schön verändert. An den Stellen wo die Corvette ziemlich gut war, wurde sie immer schwächer und in Bereichen wo es vorher schon nicht sonderlich gut aussah, wurde es noch schlimmer.

Am Ende der Saison hast du Platz 7 in der GTE-Am Fahrerwertung und mit der Mannschaft die 5. Position in der GTE-Am Teamwertung erreicht. Bist du mit dir selbst und deiner Leistung zufrieden?
Überhaupt nicht. Nach dem Titelgewinn 2012 haben wir alle mehr erwartet. Unter den gegebenen Umständen, besonders das zusätzliche Strafgewicht und die veränderte Leistungsregelung erschwerten uns die Arbeit. Es ist fast das beste was wir so erreichen konnten. Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man.

Das richtige Training ist entscheidend

Für mich als normalen Autofahrer kommt nach 2 Stunden irgendwann der Punkt wo ich ein Pause brauche. Als Motorsportler ist der Konzentrationsgrad noch viel höher. Wie ist es für dich wenn du 2, 3 oder gar 4 Stunden am Stück hinter dem Lenkrad sitzt, ein gewisses Level halten musst und jede kleine Schwäche sofort bestraft wird?
Das ist etwas was man trainieren muss um erfolgreich zu werden. Aus meiner Erfahrung habe ich gelernt, dass es unabdingbar ist ein top Fitnesslevel zu haben. Nur so kann man den Mangel an Unaufmerksamkeit durch die entstehende körperliche Müdigkeit ausgleichen. Der Geist wird sowieso irgendwann müde. Wenn dein Körper dann auch noch müde wird, wird noch mehr von deinem Geist abverlangt, welcher aber aufgrund der Müdigkeit nicht mehr voll leistungsfähig ist. Mein Rezept ist es den Körper top fit zu halten, so sind auch längere Zeiträume ohne Pause kein Problem.

Was tust du um dich fit zu halten? Viele Motorsportler fahren viel Fahrrad, meist über lange Distanzen. Wie sieht dein Trainingsplan aus? Gehörst du auch zu den Fahrradfahren?
Ich trainiere sehr viel zwischen den Rennen. Ich persönlich bevorzuge eher den Ausdauerlauf. Vier mal die Woche renne ich längere Distanzen von 12-15 Kilometern am Stück. Ich nehme auch gerne an verschiedenen Marathons teil, gerade hier in Brasilien mache ich das öfters. Das Fahrradfahren ist nicht ganz so meins. Ich lebe in einer großen Stadt und da ist es sehr gefährlich auf der Straße zu fahren. Im Fitnessstudio fahre ich öfters Fahrrad zur Erwärmung, doch das kann man nicht vergleichen.  Mein Fokus beim Cardio Traing liegt ganz klar im Bereich Ausdauerlauf.

Viele Rennfahrer haben einen sehr Strengen Ernährungsplan welcher mit dem Trainingsplan abgestimmt ist. Wie sieht das bei dir aus?
Ich bin Vegetarier und esse kein Tiere. Von daher muss ich besonders darauf achten was ich zu mir nehme und das beeinflusst meinen Ernährungsplan. Es macht für mich keinen Unterschied ob ein Rennen ansteht oder nicht, da ich mich immer ausgewogen und bewusst ernähre.

Viele Junge Menschen sehen dir am Fernseher und an der Strecke zu wie du fährst. Einige spielen früher oder später mit dem Gedanken ebenfalls Rennfahrer zu werden. Wie hast du angefangen? Welche Tipps hast du für alle die eine Motorsportkarriere einschlagen wollen?
Meine ersten Erfahrungen habe ich im Go-Kart gemacht. Als ich 8 Jahre alt war habe ich in Brasilien angefangen jede freie Minute dafür zu opfern. Es hatte mich gefesselt, es gab seid dem kein Jahr wo ich keine Rennen gefahren bin. Auch 20 Jahre Später geht es mir nicht anders. Der wichtigste Rat den ich geben kann ist folgender: „Wenn du jung bist mach dich nicht fertig, wenn du die erhofften Erfolge und Ziele nicht gleich erreichst. Fokussiere dich weiterhin darauf, immer dein bestes zu geben und das Ziel zu erreichen. Am Ende des Tages, wenn du fühlst das du dein bestes gegeben hast und etwas neues dazu gelernt hast, wirst du merken das du auf dem richtigen Weg bist.“

Wie stand deine Familie zu deinen Plänen als du jung warst? Stehen sie noch immer hinter deiner Arbeit als Rennfahrer oder gab es mal den Zeitpunkt wo sie wollten das du aufhörst?
Meine Familie hat mich immer voll unterstützt. Unsere Meinungen gingen in manchen Punkten auseinander aber sie haben nie aufgehört mich zu unterstützen. Nach dem tragischen Ereignis in Le Mans 2013 haben wir viel darüber diskutiert ob ich aufhören sollte oder nicht. Die Frage kam nicht nur von ihnen, sondern auch von mir. Doch wir kamen zu dem Entschluss das ich weitermache.

Neues Jahr, neuer Anfang

Neues Jahr, neue Saison, neues Team. Aston Martin hat bekanntgegeben das du 2014 im Wagen mit der Startnummer #99 fährst. Wie bist du zu Aston Martin gekommen?
Während der Saison 2013 haben wir erste Gespräche geführt. Ich wollte höhere Ziele erreichen, ein Teil davon war der Wechsel in die LMGTE-Pro Klasse. Die Verhandlungen mit Aston Martin sind so gut verlaufen, dass auf beiden Seiten sofort klar war das eine Zusammenarbeit der Ideale Weg ist. Ich bin mit der Art und Weise wie die Verhandlungen verlaufen sind sehr zufrieden.

Wirst du Larbre Compétition und deine alten Teamkollegen vermissen?
Ich werde sicherlich die Mechaniker und Ingenieure vermissen. Sie waren das wichtigste Stück im Puzzle. Bei ihnen fühlte ich mich immer wie zu Hause. Ich werde sie vermissen, auch wenn ich bei Aston Martin das Gefühl habe mehr als Willkommen zu sein.

Bist du aufgeregt? Was glaubst du kann das Team dieses Jahr erreichen? Ist ein Titelgewinn möglich?
Ja, ich bin sehr aufgeregt und freue mich sehr auf die bevorstehende Saison. Ich halte mir alle Möglichkeiten offen. Doch mein Hauptziel ist es, alle Erwartungen von Aston Martin Racing zu übertreffen um am Ende des Jahres das Gefühl zu haben, das ich mein bestes gegeben habe.

Die WEC ist gut in ihre ersten zwei Jahre gestartet. Sie wächst kontinuierlich und findet regelmäßig neue Fans. Immer mehr neue Teams kommen hinzu. Wie denkst du darüber? Wo siehst du die WEC in den nächsten 5 Jahren? Wird sie die Fan-Basis der Formel 1 überholen können?
Ich glaube nicht das die WEC in den nächsten fünf Jahren die Formel 1 überholen wird. Aber sie wird größer sein als sie jetzt schon ist. Ich glaube auch, dass das Potential außerhalb von Europa wachsen wird. Gerade in Ländern wie Brasilien, wo die Menschen nur wenige Rennserien neben der Formel 1 kennen, gibt es genug Platz für die WEC um zuwachsen.

Wie sehen deine Pläne für dieses Jahr aus? Stehen für dich Gaststarts in anderen Rennserien oder bei Großveranstaltungen auf dem Plan?
Möglichkeiten gibt es immer, aber ich bin mir noch nicht sicher. Mein Fokus für dieses Jahr liegt ganz klar auf der WEC und Aston Martin Racing. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben mit ihnen parallel in einer anderen Rennserie an den Start zu gehen, werde ich diese Möglichkeit sicher ergreifen.

In diesem Jahr startet die Formel E in ihre erste Saison. Wie denkst du über diese neue Rennserie? Bist du eher für oder gegen den elektrischen Motorsport?
Es ist eine gute Idee und ich glaube das es interessant wird. Aber ich weiß nicht wie weit es sich entwickeln wird. Es gibt so viele Möglichkeiten die Nachhaltigkeit von Brennstoff betriebenen Autos zu verbessern welche noch nicht umgesetzt wurden. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob genügend Interesse bei den Herstellern da ist, diese Ideen auch umzusetzen. Gute Ansätze sind bei der Formel E aber auf jeden Fall vorhanden, wir müssen abwarten wie sich das ganze entwickelt.

Lass uns das Interview so beenden wie wir es begonnen haben. Beschreibe dein Jahr 2014 in 5 Worten. Was erwartest du von diesem Jahr?
Herausforderungen, Überwindung, Freude, Verantwortung, Erfolg.

Bildquelle: Fernando Rees