Die WEC für Einsteiger – Teil 2

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In unserem zweiten Teil der Serie „Die WEC für Einsteiger“, werden wir einen genaueren Blick auf die Fahrzeuge und deren technische Entwicklungen werfen. Des weiteren werden wir uns genauer mit der Zusammensetzung des Fahrerfelds beschäftigen.

Die Fahrzeuge

Die Langstrecken Weltmeisterschaft ist die wahre Heimat der Motorsport-Innovationen, so wie es die Langstrecken-Szene schon seit fast 100 Jahren war. Damals setzte man sich zum Ziel, die Fahrzeuge und deren technische Neuerungen während des Rennens unter härtesten Bedingungen zu erproben. Scheibenwischer, Scheibenbremsen und Scheinwerfer sind für uns heutzutage selbstverständlich. Doch all diese Innovationen wurden bei den 24 Stunden von Le Mans und anderen Langstreckenrennen im 20. Jahrhundert erbprobt und weiterentwickelt.

Im heutigen Langstreckensport ist es nicht anders. Auch wenn die Prototypen kaum visuelle Ähnlichkeiten mit unseren eigenen Autos haben, so ist die LMP1-Klasse dennoch die Heimat für die Weiterentwicklung der Serienfahrzeuge. Egal ob bei Audi, Nissan, Toyota oder Porsche, jeder Hersteller versucht die erfolgreich erprobten Technologien in den Straßenverkehr zu übernehmen. Das beste Beispiel ist wohl der TDI-Dieselmotor und das e-tron Hybrid System von Audi, welches vorerst im Audi R8 und Audi R18 Prototyp getestet wurde. Auch der neuen Nissan GT-R LM NISMO mit dem Frontmotor weißt klare Ähnlichkeiten zu seinen Straßenkollegen auf.

Effizienz ist wohl einer der wichtigsten Faktoren in unserer Gesellschaft und genau das ist ein Bereich, durch welchen sich die WEC auszeichnet. Die LMP1-Autos sind an Kraftstoffmengen gebunden, welche sie innerhalb eines Rennens nicht überschreiten dürfen. Diese Grenze wurde von 2013 auf 2014 um 30% verkürzt, trotz alledem waren die Fahrzeuge genau so gut, wenn nicht sogar besser, abgestimmt als im Vorjahr.
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Doch die Vielfalt ist nicht nur auf die Prototypen der WEC beschränkt. Vom unheimlich stillen Geräusch, welches zum Beispiel der Audi R18 von sich gibt wenn er mit Elektroantrieb vorbeifährt, bis hin zum Gänsehaut-erzeugenden Klang der Corvette C7.R, ist für jeden das richtige dabei. Im Gegensatz zu anderen Rennserien ist es in der WEC tatsächlich möglich, die Augen auf der Tribüne zu schließen und allein am Motorenklang die vorbeifahrenden Wagen von einander zu unterscheiden.

In den GTE-Klassen der WEC sind ebenfalls zahlreiche Hersteller und Privatteams vertreten. Auch wenn diese keine praktische Chance auf den Gesamtsieg eines Laufes haben, so sind diese dennoch bestrebt in ihren Klassen zu glänzen. Aston Martin, Ferrari und Porsche treten alle mit speziellen Versionen ihrer beliebten Serienmodelle an, welche mit Leistungen von über 600 PS echten Motorsport garantieren.

Die Fahrer

Die Langstrecke und insbesondere die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) ist eine Form des Motorsports, in der eine Gruppe von Fahrern ein Team bildet, welches sich während des Rennens hinter dem Steuer eines Fahrzeuges abwechselt. Bei den üblichen 6 Stunden Rennen der Weltmeisterschaft, wechseln sich zwei bis maximal drei Piloten innerhalb eines so genannten „Stints“ ab. Dies sind die Zeiten, welche ein Auto zwischen den Boxenstopps auf der Strecke verbringt. Diese Zeitspanne ist oft variabel, spätestens endet ein Stint, wenn das Fahrzeug zum auftanken an die Box muss. In der Regel dauert ein Stint zwischen 45 Minuten und einer Stunde.

Die „Stint-Längen“ lassen sich in Verbindung mit den Fahrerwechsel als weiteres strategisches Element in die WEC-Rennen einbinden. Die Teams sind nicht verpflichtet bei jedem Boxenstopp die Fahrer und Reifen auszutauschen. Bei den 24 Stunden von Le Mans zum Beispiel fahren die Top-Piloten schon mal vier bis fünf Stints am Stück, was etwa 3 Stunden Fahrzeit am Stück entspricht.

Alle Fahrer werden anhand einer Vielzahl von Faktoren wie Alter, Erfahrung und Siege in den Bereichen Bronze, Silber, Gold oder Platin eingestuft. In der LMP2-Klasse sowie in der GTE Am-Klasse wurde festgelegt, dass jede Mannschaft aus sogenannten Gentleman-Fahrern und Profifahrern aufgebaut sein muss. Dieser Schritt wurde eingeleitet, damit sich die Teams in den Privatklassen nicht nur Spitzenpiloten ins Boot holen.
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Im Kampf um den begehrten Weltmeistertitel in der LMP1-Klasse findet man auch viele ehemalige Formel 1 Fahrer wie Mark Webber, Anthony Davidson oder Sébastien Buemi wieder. Neben diesen sind aber auch andere bekannte Namen wie David Brabham oder Jan Magnussen in anderen Klassen vertreten. Die Saison 2015 wird die erste in der Geschichte der WEC sein, wo ein aktiver Formel 1 Pilot parallel antreten wird. Nico Hülkenberg wird im dritten LMP1-Porsche die 6 Stunden von Spa sowie die 24 Stunden von Le Mans bestreiten.

Langstreckenrennen sind für viele ehemalige Formel 1- oder DTM-Fahrer eine Art Neuanfang. Wie gut dies funktionieren kann, zeigten Allan McNish und Tom Kristensen, welche in ihrem fortgeschrittenen Motorsport-Alter zahlreiche Le Mans Siege und den Weltmeistertitel im Jahr 2013 einfahren konnten. Doch neben den alten Hasen lockt die Langstrecke in jüngster Zeit immer öfter den Motorsport-Nachwuchs an. Der steinige und vor allem schwer finanzierbare Weg in die Formel 1 hat zur Folge, dass viele junge Talente den schritt in die ELMS oder WEC wagen. Von den GT-Klassen bis hin zur LMP1 stehen den jungen Piloten alle Möglichkeiten offen. Das dies zu schaffen ist stellten unter anderem Brendon Hartley (Werksfahrer bei Porsche), Harry Tincknell (macht sein Debüt mit Nissan in Le Mans) und Mike Conway (seit diesem Jahr Stammpilot bei Toyota) durch ihre starken Auftritte in der LMP2 unter Beweis.

Im Gegensatz zu anderen Motorsportarten ist die WEC eine Serie, welche konstanten und talentierten Fahrern eine Menge abverlangt, diese Mühen aber auch reichlich belohnt. Der Hauptfokus liegt hier nicht nur auf der Geschwindigkeit, sonder bezieht auch die Faktoren Zuverlässigkeit und Ausdauer mit ein. Nur Fahrer, welche die Faktoren Reifenabrieb, Spritverbrauch und Tempo im Einklang beherrschen, können sich in der Langstrecken-Weltmeisterschaft auf lange Sicht behaupten.

Bildquelle: Walter Schruff (WEC-Magazin)

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    Vielen Dank für die Informationen bzgl. WEC!

    Da die F1 zunehmend degeneriert, erscheint die WEC in einem sehr interessanten Licht. Die Hintergründe und Regeln unterscheiden sich deutlich von der F1 und sind offenervor. Als Zuschauer auch noch günstiger.