Das Rätselraten in der LMP1 geht weiter

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13115994_1597861033857629_2911399191302572791_oZwei von neun Saisonrennen sind vorbei und die LMP1-Klasse bleibt ein einziges Fragezeichen. Während alle drei Werksteam mit technischen Problemen kämpften, konnten die LMP1-Privatiers ein zuverlässiges Rennen abliefern und Rebellion sich in Silverstone den dritten Gesamtrang sichern. Nach dem Lauf in Spa-Francorchamps wiederholt sich nun dieses Bild und das Rätselraten um die neuen Prototypen geht weiter.

Die LMP1 ist die Spielwiese der Teams und Ingenieure. Sowohl Werksmannschaften als auch Privatteams erproben hier neue Konzepte, welche die Automobilbranche in den kommenden Jahren verändern könnten. Mit jedem Ansatz wird Neuland betreten und es ist völlig normal, dass eine gewisse Zeit benötigt wird um die Technologien vollständig zu verstehen. Nach einem durchwachsenen Rennen konnte man die Probleme zum folgenden Lauf lösen und es kristallisierte sich schnell ein dominantes Team heraus, welches die WM anführte.

Doch in diesem Jahr ist scheinbar alles anders. Während die drei Werksteams Audi, Porsche und Toyota mit neuen Modellen ihrer Prototypen starten, bleiben die Privatiers Rebellion Racing und ByKolles Racing bei ihren Vorjahresmodellen und entwickeln diese behutsam weiter. Die sonst technologisch überlegenen Fahrzeuge von Audi, Porsche und Toyota wurden durch zahlreichen Problemen heimgesucht, während die eigentlich anfälligeren Privatwagen problemlos ihre Rennen beendeten und sogar vor den Hybrid-Modellen landeten.

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Im neuen R18 setzt Audi erstmals auf ein Batteriekonzept zur Speicherung der Elektroenergie

Eine mögliche Ursache für die unberechenbare LMP1-Klasse sind die neuen Fahrzeuggenerationen der Werksteams. Nach der eindrucksvollen Saison 2015 von Porsche schien für alle Beteiligten klar, dass Schwungradspeichertechnologien und V8-Saugmotoren in einer Entwicklungsklasse ihr Lebensende erreicht haben und man sich neuen Technologien zuwenden muss.

Audi und Toyota bauten zwei Modelle, welche auf die bisherigen Antriebskonzepte verzichteten und den Mix auf Batteriespeicher und V6-Turbomotor aufgriffen. Das neue Fahrzeuge nicht aus Anhieb ganz vorne mitfahren können war allen klar, doch das auch Porsche größere Probleme haben würde kam überraschend. Der 919 Hybrid wurde im Kern beibehalten und nur die bestehenden Ansätze erweitert um den Elektroanteil des Antriebskonzeptes zu steigern.

Nach den zwei Rennen der WEC in Silverstone und Spa-Francorchamps zeigte sich jedoch, dass keiner der drei Hersteller ein zuverlässiges Fahrzeug auf die Beine gestellt hat um mit Abstand die Weltmeisterschaft anführen zu können. Audi kämpft weiterhin mit seinem neuen Batteriespeicher-Konzept hatte in beiden Rennen längere Boxenstopps und Positionsverluste durch Arbeiten an eben diesem System.

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Der Rebellion R-One beendete die 6 Stunden von Spa problemlos und kam auf Gesamtrang 3 ins Ziel

Toyota setzte in den vergangenen Jahren auf seine V8-Saugermotoren und muss in diesem Jahr den neuen V6-Turbomotor neu verstehen lernen. Beide TS050 Hybrid kämpften mit wiederkehrenden Motorenschäden, Überhitzung und unvorhersehbaren Ausfällen. Während Porsche mit dem eigentlichen Antrieb kaum Probleme hat, müssen sich die Stuttgarter mit ihrem Chassis und der Fahrwerkskonstruktion beschäftigen. Im Gegensatz zur Konkurrenz hatte der 919 Hybrid einen überdurchschnittlich hohen Gummiabrieb und kämpfte in Spa mit mehrfach geplatzten Reifen.

Bis zum kommenden Rennen in Le Mans wird sich die Zuverlässigkeit der neuen Prototypen kaum verändern. Der Lernprozess aller drei Teams dauert länger an als erwartet. Dies könnte jedoch zur Folge haben, dass wir über die gesamte Saison 2016 ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis unter den Werksteams haben. Zudem zeigte Rebellion gut, dass man mit dem nahezu unveränderten Konzept sehr schnell unterwegs ist. Bei den Schweizern ist die Lernkurve 2016 erheblich kürzer und es könnte passieren, dass die beiden Fahrzeuge um den diesjährigen Le Mans Gesamtsieg mitfahren werden.

Bilder: WEC-Magazin (Walter Schruff / Ton Kerdijk)