Analyse: Hat die Boxenstopp-Strategie Porsche den Sieg gekostet?

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Der vorletzte Lauf des Jahres kann wohl mit Fug und Recht als einer der spannendsten der noch jungen WEC-Geschichte bezeichnet werden. Es war ein Rennen mit Drama, Spannung und Intrigen von Anfang bis Ende. Über den gesamten Verlauf des Rennes war lange nicht klar, ob Toyota oder Porsche zum Schluss an der Spitze stehen würden. Nach sechs Stunden konnte sich schließlich Toyota wieder einmal von der Konkurrenz absetzten. Doch war es nur die gute Leistung, welche die Japaner zum Sieg führte oder ist ein fataler Fehler in der Boxenstopp-Strategie von Porsche ausschlaggebend für den Rennausgang gewesen?
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Am Ende des 6 Stunden Rennens von Bahrain schaffte es der Toyota #7 mit einem komfortablen Vorsprung von 50 Sekunden über die Ziellinie zu fahren. Nachdem der Porsche mit der Nummer 14 von der ersten Position ins Rennen ging, dauerte es einige Runden bis die beiden Toyota nach ein paar vergeblichen Angriffen schließlich an den Stuttgartern vorbeiziehen konnten. Es dauerte jedoch nicht lange bis die Porsche wieder zu den Japanern aufschließen konnten und sich in Angriffsstellung brachten.

In der 17. Runde kam es dann zum entscheidenden Schlüsselmoment, welche wohl den Rennausgang maßgeblich beeinflusste. Der Renndirektor Eduardo Freitas entschied sich, einen „Full-Course-Yellow Zustand“ auszurufen um die immer größer werdende Streckenverschmutzung zu bereinigen. Bei einem FCY wird über die gesamte Strecke eine gelbe Flagge verhängt und alle Fahrzeuge zu einer Drosselung der Maximalgeschwindigkeit auf 80 km/h gebracht. Im Gegensatz zu einer Safety-Car Phase wird das Feld nicht aufgestaut, sondern bei der Erhaltung aller Zeitabstände lediglich verlangsamt.

Bis auf den Porsche #14 und den Audi #1 nutzen alle LMP1-Fahrzeuge die FCY-Phase um zum ersten mal in diesem Rennen die Reifen zu tauschen und das Benzin aufzufüllen. Später im Rennen erzählte Romain Dumas im Interview mit Louise Beckett, dass es seiner Meinung nach die falsche Entscheidung war nicht während der FCY zu stoppen. Nun steht die Frage im Raum: Hätte Porsche mit diesem Boxenstopp das Rennen gewinnen können?

Wirft man einen Blick auf die Daten des Rennens, so bekommt man mehr Klarheit über die Folgen der Entscheidung. In der 17. Runde lagen die ersten drei Fahrzeuge jeweils sieben Sekunden voneinander entfernt im dritten Sektor. Angeführt wurde das Feld vom Toyota #7, gefolgt vom Schwesterfahrzeug Nummer 8 und dem Porsche #14. Durch die Verlangsamung änderte sich die Rundenzeit des Toyota #7 von Normalerweise 1:52.0 auf 2:40.9. Um einen Vorteil aus der Situation zu ziehen, beorderten die Toyota-Ingenieure unverzüglich beide Fahrzeuge in die Box. Romain Dumas, welcher im Porsche 14 draußen blieb, übernahm die Führung und beendete die 17. Runde mit einer Zeit von 2:32.2. Da die FCY-Phase länger anhielt als erwartet wurde die Rundenzeit auch in der 18. Runde nicht besser und wuchs nun auf 2:45.4 an.

Durch diese zwei extrem langsamen Runden verlor der Porsche insgesamt 1 Minute und 39 Sekunden im Bezug auf seine durchschnittliche Rundenzeit von 1:49.0 im normalen Rennbetrieb. Während Porsche an der normalen Sechs-Stopp-Strategie festhielt, gewannen die Toyota durch den vorgezogenen Service. Im dritten Sektor verloren die Japaner lediglich 49 Sekunden und verbrachten die restliche Zeit des Full-Course-Yellow-Zustandes in der Box. Auch wenn man vorerst zwei Runden hinter dem Porsche lag, hatte Toyota insgesamt aber den geringeren Zeitverlust durch das vorzeitige Boxenmanöver.

Auch wenn der Porsche knapp eine Minute Rückstand auf den Toyota durch die FCY-Phase hatte, reichte diese Betrachtung alleine nicht aus um eine endgültige Aussage über den Ausgang zu treffen. Ein Blick auf die Gesamt-Boxenzeit verrät, dass man bei Porsche den Fehler im nachhinein korrigieren wollte und mit 7 Minuten und 36 Sekunden die kürzeste Gesamtzeit aufweisen kann. Der Rennsieger ließ sich im Vergleich ganze 7 Minuten und 51 Sekunden zeit um den Service durchzuführen. Addiert man jedoch die knappe Minute Verlust aus den FCY-Runden hinzu hat der Toyota insgesamt die besseren Werte, welche schließlich den Rennausgang begründen.

Trotz des Nachweisens eines Strategiefehlers stellt sich abschließend noch die Frage, warum das Schwesterfahrzeug #20 nicht gewann. Am Ende des Rennens musste sich Neel Jani mit neun Sekunden Abstand zum Toyota #7 zufriedengeben. Beide Fahrzeuge hatten eine ähnliche Strategie und trotzdem reichte es nicht für Porsche den ersten Sieg in der WEC einzufahren. Erklären lässt sich diese Tatsache mit dem letzten Boxenstopp des Porsche #20. Das Team hatte bei der Überprüfung der Reifenwerte festgestellt, dass man sparsamer als erwartet mit dem vorherigen Reifensatz umgegangen war. Um Zeit zu sparen wurde kurzerhand beschlossen nur Benzin aufzufüllen und das Rennen auf dem angefahrenen Satz zu beenden. Unglücklicherweise bauten die alten Reifen jedoch schneller ab als erwartet und der Porsche war nicht in der Lage die Rundenzeiten des Toyota #7 (mit frischen Reifen) mitzuhalten.

Im nachhinein lässt sich die Zeit nicht zurück drehen und wir werden wohl nie erfahren ob eine andere Strategie bei Porsche für einen veränderten Rennausgang gesorgt hätte. Jedoch ist es interessant festzustellen, dass man mit einem Boxenstopp in einer zweiminütigen FCY-Phase einen Vorteil gewinnen kann. Toyota hat in Bahrain den kühlsten Kopf bewiesen und konnte schließlich das Rennen sowie den Fahrer-WM-Titel für sich entscheiden.

Bildquelle: Porsche Pressematerial.