Die Hypercars in Sebring

Die FIA WEC kehrte nach zwei Jahren Abwesenheit triumphal nach Sebring zurück. Für Toyota Gazoo Racing waren die 1000 Meilen von Sebring 2022 ein Rennen zum Vergessen, denn Alpine ging als Sieger vom Platz.

Die 1000 Meilen von Sebring 2022 waren anders als das letzte Rennen 2019 hier in Zentralflorida. Durch die frühere Startzeit löste die Hitze des Tages die Dunkelheit der Nacht als größte Herausforderung für Teams und Fahrer ab. Was beide Rennen gemeinsam hatten, waren wetterbedingte Unterbrechungen. Das Rennen 2022 endete in einem Durcheinander, da Blitzwarnungen zu mehreren Unterbrechungen auf der Strecke führten.

Alpine feiert ersten Hypercar-Sieg

Das Alpine ELF Team, welches nach wie vor mit seinem „alten Alpine A480 LMP1-Fahrzeug“ unterwegs ist, hatte über das gesamte Wochenende hinweg die Nase vorn. Vor Toyota und Glickenhaus sicherten sich die Franzosen ihren ersten Hypercar-Sieg in der WEC.

Nicolas Lapierre, der von Pole gestartet war, setzte sich gleich zu Beginn des Rennens von den Verfolgern ab und erarbeitete sich in der Anfangsphase einen ordentlichen Vorsprung. Doch schon bei den ersten Boxenstopps zeigte sich, wogegen der französische Hersteller ankämpfen musste: Das Hybrid-System von Toyota Gazoo Racing und das Auto, das nach dem neuen Le Mans Hypercar-Reglement gebaut wurde. Dadurch konnten die Japaner vier Runden länger fahren.

Es war ein Langstreckenrennen, wie man es schon unzählige Male gesehen hat: schneller und durstiger gegen langsamer und effizienter.

López nach schrecklichem Zwischenfall unverletzt

Kurz vor der Halbzeitpause wurde Alpine im Hasen- und Schildkröten-Kampf ein Rettungsanker zugespielt. José María López im Toyota GR010 Hybrid mit der Startnummer 7 berührte bei einem Überrundungsmanöver einen GTE-Am-Porsche und drehte sich dabei in die Leitplanken.

Durch die Beschädigung des Autos fuhr López mit Vollgas in die Reifenwand und überschlug sich. Zur Erleichterung aller Zuschauer stieg der Argentinier unverletzt aus dem Auto. Das Rennen wurde für über 30 Minuten unterbrochen, während die Streckenposten die Streckenbegrenzungen reparierten.

Dank der Unterbrechung schloss Alpine die Lücke zum verbleibenden Toyota und sparte sich fast eine Stunde Rennzeit unter grüner Flagge.

Nach dem Neustart schien das Ergebnis für Mathieu Vaxiviere, Nicolas Lapierre und André Negrao in trockenen Tüchern zu sein. Das Trio baute seinen Vorsprung in der Schlussphase des Rennens auf 90 Sekunden aus.

Eine weitere rote Flagge – diesmal aufgrund schlechter Witterungsbedingungen in der Region – deutete darauf hin, dass es in der letzten Stunde zu einem Shoot-Out kommen könnte. Doch das Rennen wurde aufgrund mehrerer Blitzeinschläge vorzeitig beendet.

Glickenhaus Racing erzielte nach einer vielversprechenden Leistung beim Heimrennen seinen zweiten Podiumsplatz in der WEC. Das in den USA ansässige Team konnte das Tempo seiner Konkurrenten im Hypercar mitgehen, verlor aber aufgrund einer Durchfahrtsstrafe frühzeitig den Anschluss, den es letztlich nicht mehr aufholen konnte.

Die GTE-Fahrzeuge in Sebring

Starke Porsche-Performance in der GTE Pro

In der GTE-Pro-Klasse behielt Porsche über weite Strecken die Oberhand. Die Vizeweltmeister von 2021, Kévin Estre und Michael Christensen, wehrten sich tapfer gegen die Corvette mit der Startnummer 64 und den Porsche mit der Startnummer 91. Ein guter Start in die Saison 2022 für Porsche trotz wechselhafter Bedingungen.

Corvette belegte bei seinem ersten vollen WEC-Einsatz einen vielversprechenden zweiten Platz, während Ferrari in der Profiklasse nicht zu sehen war. Sie wurden Opfer einer schwierigen Balance of Performance oder hatten einfach nicht die nötige Pace – je nachdem, wen man fragt.

Unter den AM-Fahrzeugen wiederholte sich die Situation aus dem Qualifying auch im Rennen. Die Aston Martins holten sich nach einer soliden Leistung den Doppelsieg in der GTE-Am-Klasse. Das Auto mit der Startnummer 98 von Northwest AMR (Paul Dalla Lana, David Pittard und Nicki Thiim) gewann das Rennen. Zweiter wurde der Aston #33 von TF Sport. Der dritte Platz ging an Project 1 und den Porsche 911 RSR-19 #56.

LMP2: United siegt, Prema beim Debüt auf dem Podium

United Autosports holte sich nach einer beeindruckenden Leistung von Paul di Resta, Oliver Jarvis und dem 16-jährigen Debütanten Josh Pierson in der #23 den LMP2-Sieg. Der amtierende Meister WRT belegte den zweiten Rang und kämpfte während des gesamten Rennens gegen das Auto mit der Startnummer 23. Allerdings fehlte dem Team das nötige Quäntchen Glück um an der Spitze zu bleiben. Robert Kubicas Prema Orlen Team feierte sein WEC-Debüt mit einem ersten Podiumsplatz für die Startnummer 9.

Der Rennverlauf im Detail gibt es zum nachlesen in unserem Live-Ticker.

Bilder © 2022 Gabi Tomescu/focus-pack-media.de


Tobias

Tobias ist Chefredakteur und einer der Gründer von WEC-Magazin.